9. Eintrag – About healing

Wir haben die Aufgabe und die Arbeit vor uns, zu heilen. Von Mikro – und Makroaggressionen aus Kindertagen. Vom Unverständnis unserer Familienmitglieder und Freunde. Vom Gefühl hilflos und allein zu sein. Von all den Malen, in denen unsere Leben, Empfindungen, Meinungen und Bedürfnisse nicht gezählt haben.

Ich bin an einem Punkt, wo ich die Nase voll davon habe, mich in meinem Freundes – und Familienkreis erklären zu müssen. Meine Existenz rechtfertigen zu müssen und dafür zu kämpfen, dass meine Empfindungen überhaupt erst validiert werden. Ich bin müde davon, mich nahestehenden, angeblich vertrauensvollen Personen anzuvertrauen, nur um genauso hinterfragt, gequält und gegaslighted zu werden wie von der Weißen Mehrheitsgesellschaft. Ich bin es leid, von ihnen zu hören, dass ich mir das Fehlverhalten rassistischer Freunde und Familienmitglieder nicht so zu Herzen nehmen soll. Ich habe keine Lust mehr, von ihnen Erklärungen und Begründungen zu hören, wie schwer es doch für sie ist, mit Rassismus umzugehen und sie über ihre Weißen Privilegien jammern zu hören. Ich habe es satt, Wunden zu lecken, die von Weißen Menschen stammen, die denken, sie hätten ein Rassismusexklusivrecht, weil sie sich als meine Familie und Freunde verstehen.

Ich will mich um mich und mein eigenes Healing und meinen Umgang mit Rassismus kümmern können, ohne von Freunden und Familie dafür terrorisiert zu werden. Ich habe es verdient, zu heilen. Ich habe es verdient, sichtbar zu sein und meine Krone zu tragen. Ich habe es verdient, ein rassismusfreies Leben im Freundes – und Familienkreis zu genießen. Wer mir dieses Leben nicht zugesteht, wer mich dabei nicht unterstützt, wer mich gaslighted, wer mich schlichtweg davon abhält zu heilen und von mir verlangt, immer Verständnis für rassistisches Verhalten und White Fragility aufzubringen und diese/s zu entschuldigen, zählt für mich nicht zu den Personen, die mir nahestehen, sondern zum Rest einer Weißen Mehrheitsgesellschaft, für die mein Leben und die Facetten darin unsichtbar sind. Ich kann nicht heilen, wenn ich mich mit Menschen umgebe, die mich kleinhalten und mir immer wieder neue Wunden zufügen. Ich kann nicht in meinem Schwarzsein aufgehen, wenn ich mich mit Menschen umgehe, die es immer wieder weißradieren. Ich kann mich aber auf die Menschen konzentrieren, die mich empowern, verstehen und meine Empfindungen zu Rassismus nicht absprechen. Ich bin dabei zu lernen keine Abstriche zu machen, mich nicht mit weniger Support zufrieden zu geben und rassistische Verhaltensweisen derer, die mir wichtig sind, zu kritisieren. Self empowerment. Ich lerne, ein Bewusstsein für mich als Schwarze und meine Bedürfnisse zu bekommen. Und ich denke, das kann jede*r andere Schwarze (mit Hilfe) auch. Deswegen: Verbindet euch, unterstützt euch und empowert euch, um zu heilen.

8. Eintrag – Rassismus in Familien -, Bekannten – und Freundeskreis

Welcome back!

Heute gibt es einen etwas längeren Eintrag zu einem schwierigen Thema. Auf Instagram habt ihr wieder abgestimmt und alle von euch haben angegeben, dass sie Rassismus schon mal im Familien -, Bekannten – und/oder Freundeskreis erlebt haben oder erleben (ich werde sie weiterhin „nahestehende Personen“ nennen). Obwohl ich selbst auch viel Rassismuserfahrungen, vor allem im Freundes – und Bekanntenkreis gemacht habe, finde ich es wirklich krass, dass nicht eine*r von euch „Nein“ angeklickt hat.

Was ich immer schwierig finde, ist, dass sich Rassismus und rassistische Aussagen von nahestehenden Personen oft hinter Witzen, Komplimenten oder verniedlichenden Bezeichnungen verbergen, wodurch das Bild vermittelt wird, dass das Gesagte nicht so schlimm sei, weil diese Personen uns ja nicht hassen, wie das Rassisten ihrer Meinung nach so tun, sondern nur Spaß machen. Rassismus wird nur denen zugeordnet, die eine böse, schadende Intention verfolgen. Mit Sätzen wie „Komm, ich darf das“ geben sie sich ein Exklusivrecht auf Bezeichnungen wie „Schokoküsschen“ oder Witze wie „Haha, mit dir können wir aber gut im Dunkeln Verstecken spielen“, um ihre Fehltritte nicht nur für sich, sondern auch für uns moralisch zu rechtfertigen. Erhebt man dagegen die Stimme, kommen schnell verteidigende Sätze, wie „Das hast du falsch verstanden“, „Sei mal nicht gleich so empfindlich“ oder „Ich hab’s ja nicht böse gemeint“. Letzterer Satz wird gern als Todschlagargument gegen das eigene rassistische Verhalten benutzt. Wenn man es nicht böse gemeint hat, kann es uns auch nicht verletzt haben. Also, wenn ich eine*n von euch auf die Schulter boxe, ist euer Schmerz äquivalent zu meiner guten oder bösen Intention – logisch. Dass das so nicht funktioniert, haben viele von uns schon erkannt. Was also tun?

Ehrlich gesagt, Freunde und Bekannte, die rassistische Sprüche machen und denen ihr Spaß daran wichtiger ist als eure Empfindungen damit, sollte man absägen. Ich hatte bis ich 16 war fast ausschließlich solche Freunde und ich konnte mich erst von ihnen lösen, als ich neue Freunde gefunden und eine enge Beziehung zu diesen aufgebaut hatte. Aber als sie weg waren, ist eine große Last von meinen Schultern gefallen. Vorher war mir nicht bewusst, wie belastend es ist, sich immer in Räumen aufzuhalten, in denen man konstant Rassismus erlebt. Also an alle, die solche Freunde haben: Ich kann euch nicht sagen, was ihr machen müsst, aber ich kann euch nur raten, sie abzusägen und euch neue zu suchen – sehr befreiend. Mit meinen engen Freunden will ich über alles reden können – auch Rassismus und die rassistischen Erfahrungen, die ich mache, ohne dass ich sie zu den Verursachern dieser Erfahrungen zählen muss oder sie diese relativieren.

Bei Familienmitgliedern, vor allem der engen Familie, ist das schon etwas schwieriger, weil man sie 1) nicht einfach absägen kann und 2) Familienmitglieder fast schon allergisch auf die Konfrontation mit dem eigenen rassistisch sozialisierten Denken reagieren. Rassismus in der Familie ist mir persönlich weniger passiert als im Freundes – oder Bekanntenkreis, ich weiß aber, dass er grundsätzlich verhäuft vorkommt. Ein Schwarzes Kind zu adoptieren oder ein PoC- Kind zu haben, macht einen nicht zum Antirassisten. Ich habe mir erst neulich angeeignet, meine Familie mit Rassismus zu konfrontieren, auch wenn es unter ein paar meiner Schwestern und mir schon länger Gesprächsthema war. Im zweiten Eintrag habe ich schon gesagt, dass es meiner Meinung nach, helfen kann, zu Familienmitgliedern, mit denen man zurzeit nicht auf einen Nenner kommt, auf Abstand zu gehen und sich selbst sowie ihnen Zeit und Raum zu geben, sich zu sammeln, zu bilden und zu reflektieren.

Ich habe ein paar eurer Umgangstipps auf Instagram für diesen Eintrag gesammelt. Wenn man die Kraft hat, nahestehende Personen auf ihren rassistischen Witz, Aussage oder Bemerkung aufmerksam zu machen, sollte man das möglichst ruhig tun – auch wenn es ein sehr emotionales Thema ist. Ihr könnt die Person so in einen sachlichen Dialog verwickeln. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass auf die Rassismuskonfrontation ein verteidigender Satz folgt, weshalb ihr der Aussage mit Wissen bzw. Rationalität begegnen könnt. Ich verweise meist ab einem bestimmten Punkt einfach an Bücher oder andere Informationsquellen, weil mein Geduldsfaden irgendwann reißt. Falls ihr dafür nicht die Kraft oder auch Lust habt, ist eine indirekte Form des Aufzeigens des Fehlverhaltens als „Spiegelmethode“ auch in Ordnung. Dadurch soll die Person, vor allem bei dummen oder unsensiblen Fragen merken, wie unnötig ihr Kommentar war. Auf den Satz „Man sieht dich gar nicht im Dunkeln“ kann man dann beispielsweise antworten mit: „Dich auch nicht – weil es dunkel ist“. Es geht also nicht um Beleidigungen oder so, sondern man nimmt dem Satz des Gegenübers ein bisschen die beabsichtigte Wirkung – zumindest in deren Augen. Das ist natürlich nicht so rational, sondern eher emotional. Es erstickt das Problem auch nicht im Keim, gibt euch aber meist Ruhe für den restlichen Abend. Ich bin, was Emotionalität bei Rassismuserfahrungen angeht, der Meinung, dass es nicht unsere Aufgabe ist, einen Bildungsauftrag zu erfüllen, wenn wir von einer Person rassistisch angegriffen werden. Alle unsere Emotionen in der Situation sind valide und es ist auch verständlich, dass wir dabei emotional sind.

Ich wünsche euch allen viel Kraft im Umgang mit nahestehenden Personen, die rassistisch sind!!! Empowert euch gegenseitig durch die Erfahrungen, die ihr auf der Plattform teilt – und in privaten Chats – und empowert euch durch antirassistische Freunde. Auf Instagram habe ich noch ein paar mehr Reaktionsmöglichkeiten gepostet. Ihr seid nicht alleine mit Rassismuserfahrungen im nahestehenden Personenkreis.

Bis zum nächsten Mal!

Elli

7. Eintrag – Zugang für Schwarze Adoptierte zur Black Community

Willkommen zurück!

Auf Instagram habt ihr abgestimmt und wolltet gern einen neuen Eintrag zum Thema Adoption und Schwarzsein in Weißer Familie. Ich habe mich entschieden, heute über den Zugang von Schwarzen Adoptierten zur Black Community zu schreiben.

Weil unsere Familien (hauptsächlich/teilweise) aus Weißen Menschen bestehen, sind sie selbst nicht in der Black Community verankert. Wenn man ein Kind aus einem anderen Kulturkreis oder von einem anderen Kontinent adoptiert, sagt einem im Adoptionsprozess auch keiner, wo dieses Kind eine Community seines Herkunftslandes finden kann oder in unserem Fall, dass es eine Community, Kindergärten, Jugendgruppen, Nachhilfekurse etc. für Schwarze Menschen in Deutschland gibt. Manche Eltern fühlen sich auch nicht wohl damit, dass ihre Kinder sich in einen Kreis begeben, in dem sie selbst nicht verankert sind und keinen Zugang zu haben, wodurch es ihnen schwerfällt ihre Schwarzen Kinder darin zu unterstützen, indem sie beispielsweise Aktivitäten und Räume für diese ausfindig zu machen. Genauso wie wir als Schwarze in Weißen Familien manchmal das Gefühl haben können, uns zwischen Weißer Familie und Schwarzer Community entscheiden zu müssen, haben manche Eltern Angst vor genau dieser Entscheidung, welche „negativ“ für sie ausfallen könnte. Kurz gesagt: Im Gegensatz zu den meisten (nicht allen) Schwarzen Kindern mit einem oder zwei Schwarzen Elternteilen, sind wir nicht von vornherein in der Community verankert und haben keinen so leichten Zugang zu ihr.

Da unsere Familien in vielen Spaces der Community keinen Platz haben, müssten wir als Kinder alleine in diese gehen, weshalb einige Schwarze Adoptierte entweder erst als Teenager in die Community kommen oder sich gar nicht darin einfinden. Das liegt daran, dass uns nicht nur der Zugang, sondern auch das Einleben oft schwerer fällt. Ich persönlich habe mich die meiste Zeit meines Lebens nur in Weißen Räumen aufgehalten – meine Schule: weiß, mein Freundeskreis: weiß, meine Familie: weiß, Freunde der Familie: weiß und Jugendgruppen/Kinderfreizeiten: weiß. Es fiel mir dadurch nicht so leicht, mich mit Schwarzen zu sozialisieren. Über viele Dinge, die Schwarzen in (hauptsächlich/ teilweise) Schwarzen Familien schon von Kleinauf erzählt werden, musste und muss ich mich wie Weiße Menschen erstmal informieren und mein weißer Freundes -, Familien – und Bekanntenkreis waren für viele Schwarze, die ich getroffen habe, ein Ausschlusskriterium für die Community. Die Black Community ist sehr vielfältig, hat verschiedene Spaces und wenn es keinen für einen selbst gibt, muss man sich einen eigenen kreieren. Manche Schwarze Menschen möchten keinen Platz in der Black Community, weil sie zu viel Othering und zu viel Ausgrenzung erfahren, zum Beispiel weil sie Weiß gelesen werden oder ein Weißes Elternteil haben oder eben aus Weißen Familien kommen und vieles mehr.

Meiner Ansicht nach sollte kein* Schwarzer* in der Community Othering oder Ausgrenzung erfahren. Meiner Ansicht nach sollte auch jedes Kind, das adoptiert ist, kein Othering in der Familie erfahren. Wie ich letzte Woche schon gesagt habe, erfahren Adoptierte Schwarze dieses jedoch von allen Seiten. Für uns ist also wichtig, eine Lücke, eine Nische zu finden, in der das nicht passiert – weder von Weißer noch Schwarzer Seite. Das kann schwer sein, aber es bilden sich gerade viele Spaces und, wenn ihr noch keinen für euch gefunden habt, könnt ihr durch Soziale Netzwerke und ähnliches eigene bilden. Vor allem zurzeit in der Corona – Pandemie finden viele Angebote über Zoom statt, wodurch das Angebot wächst und ihr auch mal Dinge außerhalb eurer Stadt ausprobieren könnt. Auf Instagram werde ich auf ein paar Spaces hinweisen, von denen ich schon Gutes gehört oder selbst erfahren habe.

Bis zum nächsten Mal, wo es eines der drei von euch gewünschten Themen gibt.

Elli

6. Eintrag – Adoptiert und Schwarz in Weißer Familie

Dieser Eintrag dreht sich um das Thema „Adoptiert und Schwarz in Weißer Familie“. Ich werde häufiger über den Querschnitt von Adoption und Schwarzsein in Weißen Familien schreiben, weil es meiner Meinung nach einen eigenen Platz in Thema Schwarzsein in Weißer Familie braucht. Adoption und Schwarzsein sind Themen, die schon alleinstehend viele Facetten haben. Kombiniert man sie, eröffnen sich nochmal ganz neue Gründe. Ich werde heute als Einstieg einfach ein bisschen von mir als Adoptierte Schwarze schreiben und freue mich, wenn auch andere Adoptierte Schwarze einen Beitrag zu diesem Thema (gern auch anonym) veröffentlichen möchten. Ganz kurz vorab: Den Begriff „Adoptivkind“ setze ich nicht in Anführungszeichen, um ihn abzuwerten oder ähnliches. Bei allen Ausdrücken und Sätzen, die ich in Anführungszeichen setze, zitiere ich Menschen, die mich (manchmal mit einer gewissen Wertung) so beschreiben/beschrieben haben.

Ich bin in einer Weißen Familie in der Berliner Vorstadt aufgewachsen – damals und immer noch, der weißeste Ort, den ich kenne. Anders als Schwarzsein, das ich erst durch Bemerkungen und Othering richtig wahrgenommen habe, lag adoptiert zu sein für mich schon immer auf Hand. Ich denke, so wirklich mit meiner Adoption auseinandergesetzt, habe ich mich, als andere Leute angefangen haben, mich als „das Adoptivkind“, „die Adoptivschwester“ und „das andere Kind“ zu bezeichnen. Es war mir immer komisch, wenn ich auf diese Art und Weise gesondert wurde. Obwohl ein großer Teil meiner Familie polnisch ist, fingen manche Verwandte und Bekannte dann an, mich exzessiv auf meine „so schön exotische“ Herkunft anzusprechen. Das kann vorkommen, wenn man adoptiert ist. Dann haben sie mich aber auch auf meine Hautfarbe angesprochen, mich mit schokoladigem Essen verglichen und fragten, wann ich denn wieder zurückginge oder, ob es mir hier in Deutschland gefalle. Den Querschnitt von Schwarzsein und Adoptiertsein habe ich vor allem dann gemerkt. Viele von ihnen haben das auch so gesagt, als wäre ich hier nur so zu „Gast“ in meiner Familie – wie eine Austauschschülerin, die eine 18 Jahre lange Auslandserfahrung macht.  Sie sagten dann nach einem Urlaub im Ausland: „Da wusste ich auch mal, wie das ist“. Dabei ist für mich der einzige Ort, wo ich mich als Ausländerin sehe, im Ausland – also außerhalb Deutschlands. Manche meiner Familienmitglieder sagen sogar heute noch, dass ich hier nur zum „mitleben versuchen“ bin. Immer mit einem gewissen Unterton, der vermittelt: So richtig hier hingehören tust du ja nu auch nicht. Innerhalb des Familien -, Freundes – und Bekanntenkreises war ich ab da an nicht nur „Adoptivkind“, sondern „Adoptivkind“ und Schwarz. Viele Menschen haben angefangen, die Charaktereigenschaften, die mich von meinen Geschwistern unterscheiden (oder auch nicht unterscheiden), an meine Hautfarbe zu knüpfen. Mir wurde gesagt, dass ich zum Beispiel sehr gut singen und den Rhythmus halten kann, weil ich das als Schwarze ja „im Blut“ habe. Dabei sind alle in meiner Familie musikalisch aufgewachsen, haben musikalisches Talent und können den Rhythmus halten.

Da ich Weiß sozialisiert bin, war es für mich sehr schwer, in der Black Community Fuß zu fassen und mich mit anderen Schwarzen zu sozialisieren. Mit ungefähr 16 Jahren bin ich an die öffentlichen Orte der Community gegangen, obwohl mir die Black Community als solche noch nicht bekannt war. Ziemlich lange wusste ich nicht, dass es eine Schwarze Community hier gibt – mit Angeboten und Räumen. Auch von den öffentlichen Orten habe ich sogar von meinen Weißen Freunden erfahren, weil sie in Berlin all die interkulturellen Orte ausprobierten. Dort war ich vielen Menschen aber dann einfach nicht „black enough“, sobald sie wussten, dass meine Familie nicht Schwarz ist, meine Freunde fast alle weiß sind und ich vorher auch keine wirkliche Verbindung zu Schwarzen hatte. Sie meinten, mein Englisch sei „white“, meine Familie und mein Freundeskreis seien „too white“ und ich hätte keine Ahnung von Kultur, Essen und Landessprachen. Auch für sie war ich dann ganz oft die Pseudo – Schwarze, die jetzt irgendwie in ihrer Identitätskrise Anschluss finden will. Das hat dazu geführt, dass ich mich bei Schwarz und Weiß ganz lange zwischen den Stühlen gefühlt habe. Für die eine Seite war ich das Schwarze „Adoptivkind“, das eh irgendwann zurückgeht, weil sie nicht wirklich hier hingehört, und für die andere Seite war ich „not black enough“.

Als Schwarzes Adoptivkind habe ich Othering von allen Seiten erfahren. Ständig und überall. Es hat lange gedauert, bis ich mit dem Querschnitt von Adoption, Schwarzsein und Weißer Familie ins Reine gekommen bin und es nicht als so negativ angesehen habe, wie früher. Ich finde, dass adoptiert zu sein nicht etwas Schlechtes sein muss, genauso wie Schwarzsein nicht etwas Schlechtes sein muss, obwohl es von anderen Menschen so vermittelt wird. Aber es werden zwei sehr große, facettenreiche Themen verbunden, die man als Schwarzes Adoptivkind irgendwie in sich vereinen muss – und das kann hart sein. Es sind oft die kleinen Dinge, an denen ich mich gestoßen habe: Dass andere Menschen mich und meine Schwester komisch angucken und ungläubig Fragen stellen, wenn wir sagen, dass wir Geschwister sind. Aber auch die großen Dinge, wo Mitschüler mich beleidigen, weil ich adoptiert bin, wenn sie nicht gerade dabei sind, eine Beleidigung zu meiner Hautfarbe rauszusuchen. Adoption und Schwarzsein haben mich in vielerlei Hinsicht einfach zu einer Angriffsfläche gemacht und ich hatte immer das Gefühl, ich müsste mir einen doppelten Schutzanzug überziehen.

Mittlerweile mache ich diesbezüglich mein eigenes Ding. Ich bin „black enough“ für mich, weil ich meine Blackness selbst definiere. Ich sehe mich nicht als Austauschschülerin in meiner Familie, weil ich nicht zu Gast, sondern fester Bestandteil bin. Ich sehe mich nicht als Ausländerin in Deutschland, weil ich hier groß geworden bin und meinen Lebensmittelpunkt bewusst hier gewählt habe. Das ist auch das, worum es für mich in diesem Blog geht: Sein eigenes Ding, seinen eigenen Space als Schwarze/r/* oder PoC zu finden. Niemand kann definieren, wie schwarz oder weiß ich bin, wie deutsch oder gambisch, wie senegalesisch oder auch wie polnisch, außer mir. Immer wieder kommen neue Dinge mit der Adoption und dem Schwarzsein zusammen, die irgendwie neu verortet werden müssen. Aber dann verorte ich sie selbst – so meine Philosophie.

Ich werde bezüglich dieses Themas auf jeden Fall noch vieles ansprechen: Vom Umgang mit den eigenen Haaren über den Zugang zur Black Community bis hin zum Kontakt zu den leiblichen Verwandten. Input und Vorschläge, Gedanken und Diskussionen zu diesem und anderen Themen sind wie immer willkommen.

Bis zum nächsten Mal!

Elli

5. Eintrag – „Ich sehe keine Farben“

Mancher unserer Familienmitglieder fällt es schwer, Rassismus und Hautfarben anzusprechen, weil es unangenehme Gespräche mit sich bringen kann. Sätze wie „Ich sehe keine Farben, ich sehe Menschen“, „Für mich bist du nicht Schwarz, sondern einfach nur [Name]“ oder „Ich sehe nicht, dass du Schwarz bist, ich sehe nur Menschen“ sollen eine offene Auseinandersetzung mit unserer Blackness in all ihren Facetten vermeiden und uns Weiß spiegeln. Denn die einzige Farbe, die Weiße Menschen tatsächlich nicht sehen und mit der sie sich tatsächlich nicht auseinandersetzen müssen, ist ihre eigene, weil sie als Norm gilt. Unsere Erfahrungen und Hautfarben werden aus einer Bequemlichkeit und Angst vor unangenehmen Gesprächen heraus unsichtbar gemacht, was nochmal ein ganz neues Level der Ignoranz ist. Mit diesen Sätzen zeigen sich nochmal mehr die unglaublich präsenten Strukturen des rassistischen Systems, weil sie uns nicht nur unsere Hautfarben und daraus resultierende Lebensrealitäten absprechen, sondern auch zwischen Schwarzsein und Menschsein unterscheiden. Menschen, die unsere Hautfarben angeblich nicht sehen, verschließen vor allem bewusst die Augen vor unserem Struggle, unseren Hürden, unserem Schmerz und unserer Trauer. Dabei erkennen sie aber auch nicht die unglaubliche Schönheit der Blackness in all ihren Facetten, Shapes und Shades an.

Es geht aber nicht darum, was SIE sehen oder nicht sehen und was SIE anerkennen oder nicht. Es geht darum, was WIR SELBST sehen, anerkennen und vor allem, wie wir dazu stehen.

Wir sind in Weißen Familien aufgewachsen, das heißt wir wurden Weiß sozialisiert. Eine Weiße Welt ohne Farben, Rassismus und rassistischer Diskriminierung können wir aber nicht leben. Wir durchleben ständig Traumata durch Othering, Gaslighting, Beleidigungen, „spaßigen“ Bemerkungen, Witzen und vieles mehr. Uns wird zu oft vermittelt, dass unsere Hautfarben etwas Schlechtes, Hässliches und Verwerfliches darstellen. Anstatt sie also zu lieben und uns darin wohlzufühlen, machen viele von uns kleine und große Dinge, um sie ebenso unscheinbar zu machen, wie „Ich sehe keine Farben“ – Sätze es tun. Darüber hinaus denken wir, dass etwas mit uns selbst – anstatt mit unseren Mobbern – nicht stimmt, weil wir durch das fehlende positive Auseinandersetzen mit unseren Hautfarben und Blackness kein positives Gefühl ihnen gegenüber gelernt haben. Deshalb sind Hautfarbe und Blackness bei vielen von uns mit unserem Selbstwert verbunden.

Um besser ins Weiße Ideal zu passen, habe ich früher zum Beispiel helleres Make – Up benutzt, meine Haare relaxed, versucht nicht zu laut zu lachen, nicht zu wütend zu werden, nicht zu frech zu sein und nicht zu viel zu kommentieren, weil viele Menschen es an meine Hautfarbe knüpfen. Die Wahrheit ist aber: Wir können niemals Weiß genug sein und das müssen wir auch nicht. Wir müssen lernen, unsere Farben und unsere Blackness positiv anzuerkennen, uns nicht dafür zu schämen und sie auch nicht zurückzuhalten. Black is beautiful.  Black is empowerment. Black is inspiring. Black is uplifting. Black is strong. Black is revolutionizing. Das und noch vieles mehr an der unglaublichen Blackness jeder/s/* Einzelnen von uns müssen wir sehen, anerkennen und einfach feiern.

Lasst euch von niemandem die Schönheit eurer Hautfarben und die unglaubliche Exzellenz eurer Blackness nehmen! Nehmt sie euch nicht gegenseitig und nehmt sie euch nicht selbst. Seht sie, erkennt sie an, liebt sie, feiert sie, umarmt sie, ertränkt sie in Stolz und tragt sie auch mit Stolz!

Stay safe and stay strong.

Elli

4. Eintrag – Entweder…. Oder…?: Zwischen Black Community und White Family

My dear siblings.

Als Schwarze/BIPoCs in Weißen Familien können wir uns öfter mal zwischen den Stühlen fühlen. Wenn wir uns für die Schwarze/BIPoC Community entscheiden, stellen wir uns dann nicht gegen unsere Weiße Community in Form unserer Familie und Freunde? Wenn wir uns für unsere Weiße Familie, unsere Weißen Freunde entscheiden, stellen wir uns dann nicht gegen unsere Black Community, unsere Sisters and Brothers?

Nein und nein. Es ist keine Entweder – Oder – Entscheidung. Es geht nicht darum, uns für bzw. gegen irgendjemanden zu entscheiden. Es geht darum, für uns als Personen und auch als Schwarze Personen Räume zu finden, in denen wir uns als diese wohlfühlen können. Denn wie ich in den letzten zwei Wochen schon meinte: Wir erfahren negativen Input, wir erfahren Othering und wir brauchen schützende Räume davor. Wir brauchen Räume, in denen wir mehr sein können als Schwarze/BIPoCs und auch mehr sein dürfen. Diese Räume können Communities in Form der Black Community sein, aber eben auch Communities in Form unserer Freundeskreise und unserer Familien. Einfach Orte und Personen, in denen wir Gemeinschaft und nicht Othering erfahren und, in denen wir unserer Blackness freien Lauf lassen können. Wir können sehr wohl Schwarze/BIPoCs sein, die eine empowernde Community in unseren Weißen Familien/Freunden als auch in unseren Schwarzen Geschwistern haben, ohne uns dazwischen zu entscheiden. Wir brauchen manchmal Empowerment von Menschen, die Rassismuserfahrungen machen, von Menschen, die Schwarze oder BIPoCs sind. Und manchmal brauchen wir Empowerment von Menschen, die diese Erfahrungen eben nicht machen, mit denen uns aber ganz andere Dinge verbinden.

Es kann schwer sein inmitten von negativem Input, Othering und Weißen Räumen unsere Blackness zu finden und sich entwickeln zu lassen. Aber immer mal wieder kommt etwas oder jemand, das/der uns empowert, auch die zu sein, die wir darüber hinaus sind.

Wenn ihr euch dafür mal von euren Familien zurückziehen müsst, dann tut das! Wenn ihr euch mal von der Black Community zurückziehen müsst, dann tut das! Wenn ihr euch mal von beidem zurückziehen müsst, tut das! Was ihr aber nicht tun müsst, ist, euch dazwischen zu entscheiden.

Stay safe and stay strong! Bis zum nächsten Mal!

Elli

Statement – Darkskinned/Lightskinned: Wie viel Blackness muss man haben?

Da die Debatte um Colorism (im Vorabeintrag näher erklärt) und lightskinned und darkskinned Blacks in unserer Community gerade sehr stark ist, will ich heute ausnahmsweise einen weiteren Eintrag in Form eines Statements veröffentlichen. Es wurden einige Aussagen von Personen unserer Community getätigt, die der Meinung sind, unsere lightskinned Geschwister könnten und sollten sich nicht für unsere Community einsetzen, da sie aufgrund ihrer helleren Haut gegenüber darkskinned Geschwistern privilegiert sind.

Dieser Eintrag liegt mir am Herzen, weil ich nicht möchte, dass sich irgendjemand von der Community ausgeschlossen oder fehl am Platz fühlt.

Meiner Meinung nach sind Erfahrungen mit Rassismus von lightskinned Schwarzen weder weniger schlimm, weniger traumatisierend oder weniger verletzend als die von darkskinned Schwarzen. Auch positiver Rassismus ist Rassismus. Uns gegenseitig die (Schwere unserer) Rassismuserfahrungen abzusprechen und lightskinned, biracial und afrodeutsche und darkskinned Blacks auszugrenzen, ist psychischer Terror in Form von Gaslighting und Othering. Niemand kann eure Blackness, eure Rassismuserfahrungen und eure Rechte als Schwarze innerhalb unserer Community für euch definieren, gegen euch verwenden und/oder verweigern! Wir alle sollten uns der Diversität unserer Community und unseren unterschiedlichen Lebensrealitäten bewusst sein, aber sie nicht nutzen, um uns gegenseitig auszugrenzen oder zu diskriminieren und eben keinen Colorism betreiben. Am Ende des Tages sind wir alle Schwarz, machen Rassismuserfahrungen und sind von diesen verletzt und getroffen. Das ist es, was uns in unserer Community zusammenbringt, und das ist es, worin wir uns gegenseitig stärken.

Ich habe mich gefragt, wie viel Blackness man denn haben muss, um sich einen Platz in unserer Community verdient zu haben und für diese einstehen zu dürfen. Wie viel Blackness muss man haben, damit der Rassismus, den man täglich zu spüren bekommt, Gewichtung hat? Und wie viel Blackness muss man haben, um als lightskinned bzw. darkskinned zu gelten? Wer zieht überhaupt die Linie zwischen lightskinned und darkskinned?

Wir alle haben einen festen Platz in unserer Community und gehören dazu, egal ob biracial, lightskinned, afrodeutsch, darkskinned oder mit weißem Familienhintergrund. Die Blackness und die Persönlichkeit jeder*s einzelnen Schwarzen bereichern unsere Communities.

Ich möchte euch alle auffordern, in unserer Community zusammenzuhalten. Lasst euch nicht rausdrängen und seht nicht zu, wie andere rausgedrängt werden. Es sind laute Stimmen, die diese Meinungen vertreten, aber es sind wenige. In der Mehrheit unserer Community haben alle Schwarzen, egal ob afrodeutsch, biracial und/oder lightskinned oder darkskinned Blacks, einen festen Platz.

2. Eintrag – Negative Reaktionen: Othering, Whataboutism und Gaslighting

Achtung Triggerwarnung! Es kann sein, dass durch die behandelten Themen traumatische Erfahrungen mit Rassismus aufgewühlt werden. Lesen mit einer vertrauensvollen Person empfohlen!

Willkommen zurück! 

Dieser etwas längere Eintrag dreht sich um negative Reaktionen auf unsere Hautfarben und Erfahrungen in Form von Othering, Whataboutism und Gaslighting. Die detaillierten Erklärungen sind im Vorabeintrag zu finden. In kurz: Othering meint die Betonung der Unterschiede zwischen Gruppen, um sich klar voneinander abgrenzen zu können. Whataboutism meint das Ablenken von einem angesprochenen Problem durch andere Probleme. Gaslighting meint die Relativierung oder Leugnung unserer Lebenswirklichkeit (also Erfahrungen und Situation). Alle drei Formen können uns überall und von jedem – auch BIPoCs und anderen Schwarzen – entgegengebracht werden. Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen können.

Zu Beginn muss ich sagen: Eure psychische und physische Gesundheit stehen an allererster Stelle! Ich appelliere an euch, da keine Abstriche zu machen. Othering, Whataboutism und Gaslighting sind psychischer Terror und können auf euren Körper gehen (Müdigkeit, Krankheitssymptome, Kreislaufprobleme). Achtet da bitte auf euch!

1) Mein erster Schutzmechanismus vor den oben genannten Reaktionsformen ist, nicht mit Fremden oder Leuten, die ich nicht so gut kenne, über Rassismus und meine Hautfarbe zu sprechen, da ich nicht wissen kann, wie diese Personen reagieren. Gerade, wenn ich eine solche Reaktion nicht vorhergesehen habe, kann ich aus Schock, emotionaler Aufgewühltheit oder auch Angst nicht reagieren oder habe früher auch bei Witzen einfach unwohl mitgelacht.

2) Falls ihr schon im Gespräch mit der Person seid und sie anfängt, Whataboutism, Othering und/oder Gaslighting zu betreiben und ihr in der Lage seid, etwas zu sagen, macht die Person darauf aufmerksam, dass ihr nicht weiter darüber reden möchtet und ggf. auch, dass sie mit ihren Behauptungen falsch liegt.

3) Falls das nicht hilft, ist es wichtig und richtig, wenn ihr euch aus der Situation entfernt. Menschen, die bewusst Whataboutism, Gaslighting und Othering betreiben, wollen euch oft aus dem Konzept bringen, wodurch es nichts bringt, sich mit ihnen auf eine Diskussion einzulassen. Es gibt auch viele Menschen, die das unbewusst machen, dennoch gilt hier das Gleiche: Entfernt euch aus der Situation! Oftmals handelt es sich auch um Menschen, die denken, sie seien im Recht, müssten euch über eure eigenen Erfahrungen belehren und beharren auf ihre Behauptungen.

4) Ganz gezielt an diejenigen mit Weißen Familien(-teilen) gerichtet: Es kann passieren, dass manche eurer Familienmitglieder auf die Ansprache von Rassismus und euren Erfahrungen damit ebenfalls mit dieser Art psychischen Terrors reagieren. Das ist ihnen manchmal nicht bewusst und auch nicht immer die Intention, da Gaslighting, Othering und Whataboutism auch Symptome eines Schutzmechanismus sein können. Gerade dann empfehle ich euch, ihnen eine Chance auf Bildung, Information und Sensibilisierung im Umgang mit euch zu geben, indem ihr sie auf ihr Fehlverhalten hinweist und sie an aufklärende Bücher, wie „Exit Racism“ von Tupoka Ogette oder „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“ von Alice Hasters weiterleitet. Ein Tipp von mir an euch ist, euch nicht selbst in die aufklärende Position zu begeben, da ihr euch damit ggf. einem gefährlichen Psychoterror aussetzt. Unsere Familien stehen uns nah, weshalb diese ablehnende Reaktion bei ihnen ganz besonders wehtut. Gebt euren Familienmitgliedern Zeit und Raum, sich zu bilden und zu sensibilisieren. Gebt euch Zeit und Raum, zu verarbeiten.

5) Das wichtigste im Umgang mit Gaslighting, Othering und Whataboutism ist meiner Meinung nach, dass ihr nicht allein damit umgeht. Wendet euch an Freunde oder andere Personen, die für euch da sind und euch unterstützen. Ich kann auch den Tupodcast von Tupoka Ogette oder Workshops, Seminare und Freizeitangebote der Initiative Schwarzer Deutschland (offen für alle BIPoCs) empfehlen, wenn ihr euch gerade mit Menschen umgeben müsst, die euch mit ihren Erfahrungen und Lösungen empowern können. A und O ist also: Begebt euch in schützende Räume!!!

Ich habe mich auch schon (vorübergehend) von Personen bzw. aus Situationen entfernt, in denen diese Reaktionen zu meiner Hautfarbe und meinen Rassismuserfahrungen kam. Es ist schwer, aber es ist wichtig! Und wenn ihr diese Entscheidung treffen könnt, ist das eine unglaubliche Form des Empowerments, auf die ihr stolz sein könnt, weil ihr euch eurer Hautfarbe und eurer Lebensrealität bewusstwerdet und gleichzeitig lernt, eure Fortschritte in der eigenen Selbstakzeptanz wertzuschätzen.

Bis zum nächsten Mal!

Elli

Vorabeintrag zum 2. und 3. Eintrag

Achtung Triggerwarnung! Es kann sein, dass durch die behandelten Themen traumatische Erfahrungen mit Rassismus aufgewühlt werden. Lesen mit einer vertrauensvollen Person empfohlen!

1. Othering ist wohl eine Reaktionsform auf unsere Hautfarben, die uns am häufigsten im Alltag begegnet – meist ohne, dass wir es merken, weil es sich oft hinter Komplimenten versteckt. Es beschreibt den Drang von – in unserem Fall – Weißen, die Dinge, die an uns als Schwarze/BIPoCs anders sind, nochmal zu betonen, um uns klar abzugrenzen bzw. sich selbst von uns abgrenzen zu können, da Weißsein als die Norm gilt. Auch Witze und „spaßige“ Bemerkungen zu unseren Hautfarben sind Formen des Otherings.

2. Whataboutism meint, dass Menschen von dem angesprochenen Problem (oftmals relativierend) mit anderen Problemen abzulenken versuchen. So werden bei der Rassismusproblematik von Weißen gegenüber Schwarzen und BIPoCs gern andere Diskriminierungsformen angeführt. In Tupoka Ogettes Buch „Exit Racism“wird das Beispiel der Schwierigkeiten, die Jungs mit langen Haaren haben, im Vergleich mit unseren Rassismuserfahrungen angebracht.

3. Eng mit Whataboutism verknüpft, ist das Gaslighting. Gaslighting ist eine Form von psychischer Gewalt, bei der uns unsere Lebenswirklichkeit abgesprochen wird, indem die Schwere unserer Erfahrungen relativiert (s. Whataboutism) oder sogar als unwahr abgetan wird. Das passiert beispielsweise, wenn uns gesagt wird, dass Schwarze und BIPoCs es hier in Deutschland gar nicht schwer hätten oder, dass Rassismus überhaupt nicht existiere.

4. Als Colorism bezeichnen wir eine Form von Bevorzugung bzw. Diskriminierung aufgrund eines helleren oder dunkleren Hauttons innerhalb der konstruierten Rassen. Durch die europäische Kolonialisierung Nicht – Weißer Länder und Bevölkerungen wurde die Idee der besseren und schöneren Hautfarben verbreitet, wobei die Weiße die beste darstelle. Je heller die Haut, desto besser und schöner der Mensch. Dadurch haben lightskinned Schwarze eine privilegiertere Stellung gegenüber darkskinned Schwarzen zugeteilt bekommen. So wurde auch ein Schönheitsideal geprägt, nach dem es erstrebenswert sei, hellere Haut zu haben. Dieses wird beispielsweise erfüllt, indem vor allem Frauen bleichende Mittel benutzen. In Weißen Ländern wie Deutschland aber auch in Ländern des afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Kontinents zeigen sich diese Privilegien in einer breiteren Repräsentation in den Medien oder in der Zuteilung höherer Positionen und Ämter.

Einstieg – Wie siehst du dich als Schwarze/r oder Black Indigenous Person of Color?

Willkommen zum ersten Eintrag meines Blogs!

In meinem ersten Eintrag will ich als Einstieg über das Schwarzsein an sich schreiben. Im Laufe des Blogs werden wir uns auf konkrete Themen, die dieses mit sich bringt, beziehen. Aber heute geht es erstmal nur um dein Schwarzsein und dich. Wie siehst du dich als Schwarze/r oder Black Indigenous Person of Color?

Jeder scheint irgendeine Meinung zu unserer Hautfarbe zu haben und muss diese auch unbedingt mitteilen. Obwohl ich ständig auf meine Hautfarbe angesprochen werde, fällt mir auf, dass ich nicht ein einziges Mal in meinem Leben gefragt wurde, wie ich es finde, Schwarz zu sein und, ob ich meine Hautfarbe mag. Alles, was immer gezählt hat, war, ob Andere meine Hautfarbe mögen und was sie denken, wie es ist, Schwarz zu sein. Abgesehen davon, dass es „super praktisch“ ist mit dem Sonnenbrand, kamen als Assoziationen immer nur negative Dinge, die unterstreichen sollten, wie schwer es doch sein muss, Schwarz zu sein. Die Ironie daran ist, dass die Leute, die mich auf meine Hautfarbe ansprechen, diese Aktion nicht zu den Dingen zählen, die das Schwarzsein ja so schwer machen. Aber genau ihr Drang, alle ihre Gedanken zu unserer Haut und unserem Leben als Schwarze/BIPoCs in einem Weißen Land zu teilen, sorgen dafür, dass es vielen von uns in Weißen Räumen, auch innerhalb unserer Familie, schwerfällt, sich auf positive Art und Weise damit zu identifizieren, Schwarz zu sein. Es zieht ganz ungewollte Aufmerksamkeit auf sich. Ständig fassen einem Leute in die Haare, wollen wissen, wo man „wirklich“ herkommt und loben das Deutsch. Dann fallen manchmal unangebrachte Witze oder dumme Bemerkungen über unsere Hautfarbe und Herkunft. Es ist nervig, es ist oftmals auch verletzend und es schränkt unseren Wohlfühlbereich deutlich ein. Das führt oft dazu, dass wir in unserem Schwarzsein lieber verschwinden und ins Weiß passen wollen, indem wir beispielsweise unsere Haare glätten, helleres Make Up benutzen oder Schwarze Themen nicht ansprechen. Wir setzen uns so viel mit Weißen Menschen und ihren Ideen zu unserer Hautfarbe auseinander, dass wir ganz vergessen, darauf zu achten, wie wir unsere Hautfarbe überhaupt sehen. Aber das können wir machen, indem wir uns einen Moment Zeit nehmen und uns, ganz unabhängig von Weißen Räumen, mit uns als Schwarze und BIPeople of Color auseinandersetzen.  

Nimm dir diesen Moment und sei der/die Einzige, der/die etwas über deine Hautfarbe und allem, was dazugehört, zu sagen hat. Wie siehst du dich als Schwarze/r oder BIPerson of Color? Wie nimmst du dich wahr? Und ganz wichtig: Was findest du gut oder nicht so gut daran, Schwarze/r oder BIPerson of Color zu sein? 

In einer Welt, in der wir mit unserem Erscheinungsbild ständig auffallen und Input dazu bekommen, ist unser Selbstbild ganz wichtig, weil es das einzige Bild von uns ist, das uns 24/7 begleitet.

Schreib mir gern deine Antworten auf die heutigen Fragen oder die Fragen, die du dir noch gestellt hast. 

Bis zum nächsten Mal!

Elli