35. Eintrag – Unsere Lebensqualität daran zu messen, wo wir hätten sterben können, ist gewaltvoll und es ist nicht, was wir verdienen

*English version below*

Ich habe lange überlegt, ob ich den Beitrag veröffentlichen soll. Ich habe mich dafür entschieden, weil mir das Thema – als Schwarze Person, Schwarze transracial Adoptierte und Aktivistin für beides – zu wichtig ist. Ich spreche aber eine Triggerwarnung aus: In diesem Beitrag werden Adoption, Gewalt, Rassismus, Tod und Suizid thematisiert.

Ich bin 20. Die letzten drei Jahre habe ich damit verbracht, mir ein Leben aufzubauen, dass ich mag und daran arbeite ich immer noch – was nicht schlimm ist, denn ich bin erst 20. Die zwei Jahre davor habe ich Resilienz entwickelt und mir vorgenommen, aus der Situation das beste zu machen und die Möglichkeiten des Globalen Nordens für mich zu nutzen. Die restlichen 15 Jahre meines Lebens habe ich es gehasst im Globalen Norden zu sein und mir gewünscht, ich wäre in Gambia gestorben.

Mir ist bewusst, dass mein Leben, inklusive aller Gewalt- und Rassismuserfahrungen aber auch schöner Erfahrungen, auf meiner Adoption basiert. Seit ich denken kann, wurde mir von Verwandten und Außenstehenden gesagt, dass ich jetzt tot wäre, wäre ich nicht adoptiert worden. Es ist ein Narrativ, das in vielen Situationen, in denen ich meine Probleme geteilt habe, angebracht wurde, weil ich dankbar dafür sein sollte, überhaupt ein Leben zu haben. Es passt nicht ins Bild Weißer Retter*innen, dass Adoptees nicht glücklich mit ihrer Adoption sind. Ich kann nicht zählen, wie vielen erwachsenen Personen ich in meinem Leben erzählt habe, dass ich es hier nicht mag und wieder zurück nach Gambia fahren will und diese es abwinkten mit einem „Du solltest dankbar sein. Hätten sie dich nicht adoptiert, wärst du jetzt tot“ oder „Irgendwann wirst du verstehen, was sie [deine Eltern und die Ordensschwester] für dich getan haben“. Leider verstehe ich es jetzt und ich weiß, dass mein Leben daran zu messen, wo ich gestorben wäre, mein Leben auf eine Existenz herunterstuft. Zu sagen, dass ich und andere Nicht-Weiße transracial Adoptees allgemein glücklich sein sollten, nicht gestorben zu sein, ist das gleiche, wie zu sagen „Sei froh, dass du existieren darfst“.

Transracial Adoptees aus dem Globalen Süden sind zum einen dem Trauma von Verlusten ausgesetzt, die wir nicht betrauern dürfen und zum anderen dem Trauma von dehumanisierenden Rassismuserfahrungen, die wir nicht thematisieren dürfen. Von mir selbst weiß ich, dass ich durch Adoption und Rassismus bedingte Traumata und Gewalterfahrungen eine hohe Resilienz entwickelt habe, die zu meinem Überlebensmechanismus geworden ist, weil nicht tot zu sein die ersten 15 Jahre meines Lebens meine Definition von Leben war. Aber ich weiß auch, dass viele Adoptierte diese Art der Existenz nicht überleben. Adoptierte Erwachsene weisen ein vierfach höheres Suizidrisiko gegenüber Nicht-Adoptierten auf und das ist kein Zufall.

Wenn ich vor allem im Rahmen meiner Arbeit bedenke, auf welchen Systemen die Beziehung zwischen Globalen Norden und Globalen Süden erbaut sind, überrascht es mich nicht, dass ich einmal mehr, die Menschlichkeit von Bi_PoC auch im Rahmen von Adoptionen betonen muss. Wir sind Menschen mit Emotionen. Wir leben. Wir atmen. Wir fühlen. Wir sind keine Waren, die mensch ersteigert und wir sind keine Instrumente zur Inszenierung Weißer Retter*innen. Wir alle wissen, dass Weiße Menschen sich niemals auf ein Leben in bloßer Existenz einlassen würden, also wieso sollten wir das tun?

Transracial Adoptees zu sagen, dass sie in ihrem Geburtsland gestorben wären (hypothetisch), ist gewaltvoll. Unsere Lebensqualität an einem hypothetischen Tod zu messen, wurzelt in Rassismus und der Dehumanisierung von Schwarzen, Indigenen und People of Color. Probleme und Schwierigkeiten in unserem Leben, die wir gerade durch diese Dehumanisierung erfahren, mit unserem Tod zu rechtfertigen, ist nicht das, was wir verdienen.

Wir verdienen mehr.

Familien: Do the work.

TRAs und Bi_PoC: Ich sehe euch, ich höre euch, ich liebe uns.

Heute keine Kommentare von Weißen Menschen.


35th Blog Entry – To pit our quality of living against where we could have died is violent and it’s not what we deserve

I have thought a lot about whether to publish this entry or not. I decided to do so because the issue is too important to me – as a Black Person of Color, Black TRA and an activist for both. But I feel the urge to shout out a trigger warning: This entry will address adoption, violence, racism, death and suicide.

I am 20. The past three years I’ve been busy creating a life for me that I like and that still is what I am currently working on – which is ok because I am only 20. The past two years before that I spent developing a strong resilience and using the possibilities the Global North has to offer. The other 15 years that are left in my count I spent hating to live in the Global North and wishing to have died in The Gambia.

I am aware of that the way I am living my life – including all the violence and racism but also all the beautiful experiences – is based on my adoption. As long as I can remember relatives and strangers have told me that I would be dead now if I hadn’t been adopted. It’s a narrative that was introduced to me in many situation in which I shared my problems, because it serves the idea of that I should be thankful for even being alive. It doesn’t serve the image of white saviors that adoptees are not happy with their rescue. I cannot count all the adults I’ve trusted with my issues which they dismissed by „You should be thankful. If they hadn’t adopted you, you would have died“ or „Someday you’ll understand what they [my adoptive parents and the nun who managed the adoption] did for you“. Unfortunately today I understand and I now know that pitting my quality of living against where I would have died reduces my life to sole existence. To say that I and other non-white transracial Adoptees should be happy to at least not be dead is the same thing as telling us „Be happy you may exist“.

Transracial Adoptees from the Global South are on the one hand exposed to the trauma of losses we suffered but are not allowed to moarn and on the other hand to the trauma of dehumanizing racism experiences we are not allowed to address. I know about myself that due to traumas and violence I have experienced based on adoption and racism, I developed a strong resilience that helped me survive because for the first 15 years of my life not being dead has been my definition of living. But I also know that there are many TRAs who do not survive that kind of existence. Adoptees show a 4x higher suicide risk than non-adoptees and that’s no coincidence.

Especially within my work as an activist I always have to consider on what systems the relationship between the Global South and North is built and so it doesn’t surprise me at all that once again I have to point out the humanity in Bi_PoC when it comes to adoption. We are human beings with emotions. We live. We breathe. We feel. We are not commodities one can purchase and we are not tools to serve the image of white saviors. We all know that white people would never settle for a life in mere existence, so why should we?

Telling transracial Adoptees that they would have died in their birth country (hypothetically) is violent. Pitting our quality of living against our death is rooted in racism and the dehumanization of Black, Indigenous and People of Color. To justify our problems and difficulties in life thrown on us by exactly that dehumanization is not what we deserve.

We deserve more.

Families: Do the work.

TRAs and Bi_PoC: I see you, I hear you and I love us.

Today, please, no comments from white people.

34. Eintrag – Es sind nicht nur Geschichten, es sind Leben

*English version below*

Wenn Menschen (die nicht gerade berühmt sind) Verluste erleiden, veröffentlichen andere das dann auch in Zeitungen, sozialen Medien und erzählen jedem, was genau passiert ist, ohne die Person, um die es eigentlich geht, zu unterstützen? Nein. Menschen, die Verluste erleiden, haben ein Recht auf Privatsphäre, während sie diese Verluste betrauern und während sie die Geschichte des Verlusts verarbeiten. Wieso nicht transracial Adoptees aus dem Globalen Süden/Bi_PoC TRAs allgemein?? Wieso haben wir nicht das Recht auf Privatsphäre, wenn wir unsere Kulturen, Sprachen, Familienmitglieder, das Klima unseres Heimatlandes, unsere Identitäten, Informationen über unser Pre-Adoptee-Life und alle anderen Verluste, die wir bei einer Adoption erleiden, betrauern? Wieso wird uns von unseren Familien und der Gesellschaft immer und immer wieder gesagt, dass wir dankbar für unsere Verluste und Traumata sein sollten???

Vorgestern habe ich mit den Kreator*innen von @nowhitesaviors kollaboriert und mich mit ihnen über das Weiße Rettertum in Adoptionen ausgetauscht. Unter anderem ging es um einen Post von ihnen zu einer Adoption, die gerade abgewickelt wird. Dabei teilt der (hoffentlich nicht) werdende Adoptivvater die gesamte Geschichte der beiden Mädchen, die er adoptieren möchte (inkl. Namen, Altern, Bilder, Arbeitsstelle und Name der Mutter, Verbleib des Vaters). @nowhitesaviors haben diese Infos im Beitrag zensiert. Dabei geht es vor allem darum, die Mädchen und ihre Mutter zu schützen. Es geht um Privatsphäre. Also lasst uns über Privatsphäre in Adoptionen sprechen.

Auch damals als Kind haben meine Eltern JEDER PERSON, die sie getroffen haben, erstmal meine Adoptionsgeschichte – also eigentlich quasi mein Leben – erzählt, egal ob ich mich damit unwohl gefühlt habe. Vorgestern habe ich einen polnischen Artikel von mir im Internet mit Foto gefunden, in dem meine Adoptionsgeschichte erzählt wird – natürlich falsch aus dem Blick der White Savior und mit viel ekelhafter Darstellung. In diesem Artikel stehen falsche Informationen über meine leibliche Mutter und meine liebliche Familie sowie mich, dort steht mein ursprünglicher Name, meine Hobbies und meine (auch falschen) Träume. Ich dachte, wir fahren zu dieser Ordensschwester nach Polen, damit ich mehr Informationen über meine Herkunft bekomme. Stattdessen hat sie alles benutzt, das sie über mich herausfinden konnte, um es dann in diesen ekligen Artikel zu verbraten.

Mein Polnisch ist nicht sehr gut. Ich habe mich irgendwann geweigert, die Sprache weiterhin zu sprechen, weil ich keine Verbindung zu dem Land haben wollte. Also hat meine Schwester mir geholfen, einen Text an die Zeitung zu schreiben, damit dieser Artikel sofort von der Website gelöscht wird. Wieso? Weil ich diesen Artikel nicht befugt habe. Niemand hat meine Zustimmung für diesen Artikel bekommen und ich weigere mich, dass meine leibliche Familie, meine leibliche Mutter und ich dafür hinhalten, dass irgendeine Ordensschwester und meine Adoptiveltern sich als White Saviors aufspielen können.

Das ist keine Geschichte, es ist mein Leben. Ich finde es respektlos, dreist, unverschämt und einfach kriminell mein Leben international so zu veröffentlichen. Zum einen, weil ich damals (mit 14) dachte, vielleicht dreht sich meine Adoption wirklich mal um mich und alle beteiligten Personen meine Drang nach Wissen über meine Herkunft einfach schamlos ausgenutzt haben. Zum anderen, weil es meine leibliche Familie dastehen lässt, wie unfähige Menschen und wie Leute, die mich aufgegeben haben. Auch hier wurde mal wieder deren Unwissenheit übers Rechtssystem und die mangelnde Schulbildung meiner Tante und Großeltern ausgenutzt, um sie zu überzeugen, mich an wildfremde Menschen im Globalen Norden abzutreten.

Ich teile das heute mit euch, damit alle wissen, dass es falsch es ist, die Adoptionsgeschichten und die Leben von Adoptees einfach mit anderen Menschen zu teilen. Vor allem ohne die Zustimmung der*des Adoptees (aber darüber schreibe ich noch ein andern Mal).

Die einzige Person, die ein Anrecht auf mein Leben und meine Adoptionsgeschichte hat, bin ich!

Familien: Do the work.

TRAs: Die einzigen Personen, die ein Anrecht auf eure Leben und eure Adoptionsgeschichten haben, seid ihr! I love us.

PS: Wenn Adoptierte ihre Geschichten – also ihre LEBEN – mit uns teilen, ist die einzig richtige Antwort: „Danke fürs Teilen.“ Ich sage das auch zu allen TRAs und Bi_PoC in Weißen Familien, die ihre Gedanken, Leben und Probleme mit mir teilen, denn ich habe kein Anrecht darauf, es zu wissen und ich bin dankbar für das Vertrauen.


34th Blog entry – It’s not stories, it’s lives

When people (who are not famous) suffer loss, do others publish their losses in newspapers, social media and tell everybody about the loss they suffered, without actually comforting and supporting the person who lost somebody/someting? No. People who suffer loss have a right to privacy while they grieve and heal. Why not transracial Adoptees from the Global South/Black, Indigenous and transracial Adoptees of Color (Bi_TRAoC) in general? Why don’t we have the right to privacy when we grieve the loss of our cultures, languages, family members, the climate of our birth country, our identities, information about our pre-adoptee-life and all the other losses we suffer because of adoption? Why do our families and society tell us to be thankful for loss and trauma over and over again?

The day before yesterday I collaborated with the creators of @nowhitesaviors and discussed with them white saviorism. Part of the conversation was an adoption that’s happening right now where the (hopefully not) adoptive parent to be shares the whole life story of the girls he wants to adopt (incl. names, age, photos, work place and name of their mother, and everything there is to know about the father). @nowhitesaviors censored those informations to protect the girls and their mother. It’s a matter of privacy. So let’s talk about adoptee’s privacy.

My parents and family would tell everybody about my adoption and my pre-adoptee-life even though I didn’t like them sharing it with everybody. So the day before yesterday I found an article about me in the internet – with a picture of me when I was 14 – telling my adoption story which basically is my life story. Of course this article serves the white savior’s narrative. In this article they published false information about my birth mom and family and me. They published my former name (of course it’s spelled wrong), my hobbies around that time and my (also false) dreams. I thought we would drive to Poland so that I can find out more about my heritage. But actually they used all the information I gave them to write that disgusting article about me.

I don’t speak polish well because at some point I refused to learn the language since I had no connection to the country but its racist gazes. So my sister helped me write a text to the newspaper to delete the article right away. Why? Because I did not give my consent for publishing this. My parents did. I refuse me and my birth family to be a pawn in the white savior’s narrative of that nun or my family.

It’s not just a story, it’s my life. I find it disrespectful, brazen, impertinent and simply criminal to publish my life like that – internationally and wrong and without my consent. Firstly, because I thought that the trip to Poland was about me but they all just used my curiosity about my heritage and my hurting and my loss to publicly portray themselves as the white saviors who saved me. Secondly, because this article describes my birth family as if they were not good enough to have raised me and abandoned me because they did not want me which both is not true. Once again people took advantage of their unknowledge about the legal system and their lack of education to convince them to give me to strangers in the Global North.

I share with all of you to know that it is wrong to share the adoption stories and life stories of Adoptees – especially without their consent. But I’ll write about consent another day.

The only person who is entitled to my adoption story is me!

Families: Do the work.

TRAs: The only people who are entitled to your adoption story is you! I love us.

PS: When Adoptees share their story – their LIVES – with us the only appropriate response is: „Thank you for sharing“. I also say that to every TRA and Bi_PoC in a white family who share their thoughts, lives and problems with me because I am not entitled to it and I am thankful for their confindence.

33. Eintrag – Montagsreihe: Es verfehlt den Sinn von Adoption, ein Bi_KoC zu adoptieren, das…

*English version below*

… bereits eine liebende Familie hat.

Es verfehlt den Sinn von Adoption, ein Bi_KoC zu adoptieren, das bereits eine liebende Familie hat.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, weil es aus meiner Perspektive selbsterklärend sein sollte, dass mensch nicht Kinder aus bereits bestehenden und liebenden Familien reißt und einmal um die Welt verschifft. Aber gut, meine Adoptionsgeschichte und eigentlich jede Adoptionsgeschichte, die ich bisher von anderen TRAs gehört habe, beweisen, dass das für zu viele Menschen scheinbar nicht selbsterklärend ist. Eltern ihre Kinder wegzunehmen und/oder ihnen Geld, Häuser, Ausbildungsplätze, Arbeitsplätze, Kleidung oder Sonstiges zu geben, wenn sie ihre Kinder abgeben, ist illegal. Ja, ich habe ILLEGAL gesagt. Wisst ihr wieso? Weil es den Sinn von Adoptionen verfehlt und weil es einfach ethisch total verwerflich ist!

Eigentlich wollte ich richtig viel dazu schreiben, weil es mich so unfassbar wütend macht, aber ich habe eigentlich nur ein paar Dinge zu sagen:

  1. Wir sind keine Waren! Mensch kann uns nicht einfach während eines Urlaubs, eines FSJs oder Ähnlichem erwerben.
  2. Danke an alle White Savior, dass ihr so viel für uns getan habt. Wir haben unsere Familien verloren, leben in einer Weißen Welt, die uns hasst und haben durch eure heroische Tat Trauma erlitten (und unsere Verwandten gleich mit). Aber hey, wenigstens haben wir jetzt ein Haus, in dem wir uns einsam fühlen können, einen Garten mit Pool und einen Hund. Das war’s wert!
  3. Bi_PoC sind Menschen mit tatsächlichen Emotionen, Gefühlen und Leben in sich, auf die Weiße Menschen kein Anrecht haben. White people, get over yourselves! Leben hängen davon ab!
  4. Die Systemlücken, Armut von Menschen und/oder ihr Unwissen auszunutzen, um die süßen Sch*kobabies zu bekommen, ist einfach ekelhaft.

Ich hatte die Möglichkeit von meinen Verwandten zu hören, dass meine Birth Mom mich geliebt hat und dass sie mich lieben. Aber viele andere Adoptees haben diese Möglichkeit nicht (mehr). Für was?

Familien: Do the work.

TRAs: Ich sehe euch und ich liebe uns.

Keine Comments von Non-Adoptees bitte.


33rd Blog Entry – Monday episode: It fails the purpose of adoption to adopt a Bi_KoC that….

… already has a loving family.

It fails the purpose of adoption to adopt a Bi_KoC that already has a loving family.

I don’t even know where to start on this one, because from my point of view it’s quite self explainatory that people don’t get to take kids out of their loving families and ships them off to another country on the other side of the world. But well, my adoption story and actually any adoption story I’ve heard from other TRAs so far prove that this is not as self explanatory as it seems to be. To seperate parents from their children (or the other way around) and/or to give them money, houses, education, work, clothes or anything else when they give up their children, is illegal. Yes, I said it: ILLEGAL. You know why? Because it fails the purpose of adoption and is ethically just wrong.

I actually wanted to write a lot about this, because it makes so furious but I actually only got few things to say:

  1. We are no commodity! People cannot just purchase us during a vacation, an mandatory year abroad or anything simmilar.
  2. Thank you to all white saviors, for all the things you’ve done for us. We lost our families, currently are living in a white world that hates us and have suffered trauma thanks to your heroic actions. But hey, at least now we have got a big house where we can feel lonely in, a garden and a pool and a dog. It was worth it!
  3. Bi_PoC are human beings with actual emotions, feelings and lives that white people are not entitled to. White people get over yourselves! Lives depend on it!
  4. To take advantage of the systems, poverty and/or their lack of knowledge to get the cute ch*colate babies is just disgusting.

I had my oppoertunity to at least hear a few relatives of mine that my birth mom loved me and that my family has loved and missed me. But many other adoptees don’t get to have this opportunity (anymore). For what?

Families: Do the work.

TRAs: I see you and I love us.

No comments from non-adoptees please.

32. Eintrag – Wie Leben gerettet werden

*English version below*

Einen Aussage zu Adoption, die ich wirklich aus tiefstem Herzen ablehne, ist: Adoption rettet Leben. Wessen Leben und woran machen das die Leute fest? Diese These ist eine neue Aussage derjenigen, die das Narrativ und Bild Weißer Retter*innen stützen. Den Hashtag findet man zum Großteil unter Hunden und transracial Adoptierten aus dem Globalen Süden. Diese Aussage dient auch wirklich nur den Adoptionsvermittlungsstellen, Missionen, Initiativen und Adoptiveltern, die sich jeden Tag ihres Lebens sagen können, sie hätten ein Kind aus schrecklichen Lebensverhältnissen gerettet.

So wie ich (meine) transracial Adoptionen sehe, wird die „Rettung“ unserer Leben zu oft hauptsächlich an zwei Dingen gemessen: 1) Der Existenz Weißer Menschen darin und 2) Materialien. Unter dem Post „Adoptees, what was missing for you growing up?“ („Adoptees, was hat euch gefehlt, als ihr aufgewachsen seid?“) von @thisadopteelife auf Instagram stehen als Antwort auf diese Frage Dinge wie „meine Mutter“, „Sicherheit“, „meine ganze biologische Familie, Gegenwart und Vergangenheit“, „Eine klare Identiät“, „Wissen, wo ich hingehöre“, „Familienähnlichkeit und medizinische Familiengeschichte“, „emotionale Wärme“, „Liebende Eltern, die mich priorisieren und nicht ihre eigenen Wünsche, wenn es um meine Adoption geht“ und vieles mehr. Unter diesem gesamten Post findet ihr 63 Kommentare von Adoptees, die ausschließlich immaterielle Dinge teilen, die ihnen gefehlt haben – und diese Aspekte wiederholen sich. Es ist wirklich schwer das zu lesen, weil es ein anderes Narrativ in den Vordergrund stellt als „Adoption rettet Leben“. DENN wir sind Menschen. Wir brauchen mehr als nur ein Haus mit Garten oder einen Hund. Wir haben Verluste erlitten. Unter anderem aufgrund unserer Adoption. Zu sagen, dass Adoption leben rettet, ist einfach schrecklich vereinfacht und radiert unsere Schmerzen und all die Komplexität von Adoption aus und legt den Fokus auf die falschen Dinge.

Außerdem: Adoption ist NICHT das Ultima Ratio, um Leben zu „retten“. Wer ein krankes Kind in einer liebenden Familie des Globalen Südens retten will, kann mit dem Geld, das die Adoption kostet, auch einfach die medizinische Versorgung des Kindes bezahlen und/oder eine Patenschaft übernehmen. Dafür muss ein Kind nicht adoptiert werden. White people, get over yourselves! Eure Existenz im Leben von Bi_PoC ist nicht der Maßstab unserer Lebensqualität UND ihr habt kein Anrecht auf unsere Leben.

Weiterhin: Adoption ist oft ein „Lebensretter“ für Adoptiveltern, die Schwierigkeiten haben zu reproduzieren oder leider gar nicht reproduzieren können, für diejenigen, die unglücklich sind und für diejenigen, die einen Sinn im Leben suchen. Das in den Vordergrund zu rücken, verfehlt mal wieder den Sinn von Adoption. Genau diese Fehlpriorisierung ist einer der Faktoren, weshalb Adoptees bei der Frage zu Dingen, die ihnen gefehlt haben, nur immaterielle und emotionale Aspekte angeben.

Familien: Do the work.

Transracial Adoptierte: I love us.

Unter diesem Post bitte keine Kommentare von Non-Adoptees.


32nd Blog Entry – How to save lives

One thesis on adoption I really deeply dismiss is „Adoption saves lives“. Whose lives and what’s the given indicator for a saved life? This horrible thesis is yet another statement that serves the narrative and image of white saviors. This hashtag is mostly found under posts of dogs and TRAs of the Global South. It really only serves the adoption agencies, missions, intiatives and adoptive parents who tell themselves every day that they rescued a child.

The way I see (my) transracial adoption the „rescue“ of our lives is too often mostly determined by two things: 1) The existence of a white person in it and 2) materials. Under the post „Adoptees, what was missing for you growing up?“ of @thisadopteelife on Instagram a lot of Adoptees posted answers like „my mom“, „safety“, „my entire biological family, present and past“, „identity“, „knowing where I belong“, „family remembrence and medical history“, „emotional warmth“, „loving parents who prioritize me and not their own wishes when it comes to my adoption“ and more. These are solely immaterial aspects. It’s hard to read this because it serves another narrative than „Adoption saves lives“. BECAUSE we’re people. We need mor than a house with garden or a dog. We suffered loss, because of our adoption. To say that adoption saves lives is horribly simplifies the complexity of adoption and emphasizes the wrong things.

Furthermore: Adoption is NOT the ultima ratio to „save“ a life. Anybody who wants to save the life of a child in a loving family, could use the money that would’ve been spent on the adoption for the child’s medical care and/or choose sponsorship. A kid does not have to be adopted for that purpose. White people get over yourselves! Your existence in our lives is not the scale of our quality of living and you are not entitled to our lives!

Also: Adoption often seems to be a „life savior“ for adoptive parents who cannot have children themselves or have difficulties with it, for those who are unhappy and those who seek a purpose in life. To prioritize that once again misses the purpose of aoption and exactly that misprioritization is one reason for why so many adoptees answer the question above with immaterial and emotional aspects.

Families: Do the work.

Transracial Adoptees: I love us.

Non Adoptees, please don’t comment under this post.

31. Eintrag – Montagsreihe: Es verfehlt den Sinn von transracial Adoption ein Bi_KoC zu adoptieren, weil…

*Englisch version below*

…mensch sich einsam fühlt.

Bi_KoC und Kinder generell sind nicht dazu da, um erwachsenen Menschen ihre Einsamkeit abzunehmen. Bi_KoC sind auch Kinder. Ihr einziger Sinn im Leben ist es glückliches Kind zu sein und nicht die emotionale Energiequelle für andere – erwachsene! – Menschen. Andersrum wird ein paar Schuh draus: Bei einer Adoption geht in diesem Aspekt es eben darum, dass die Adoptivfamilien/-elternteile die emotionale Energiequelle für das Kind sind. Erwachsene Menschen sollten erstmal lernen, mit ihrer Einsamkeit umzugehen, anstatt diese Aufgabe einem Kind zuzumuten, das selbst verdient hat emotional zu wachsen und aufzugehen.

Ich werde ab jetzt jeden Montag eine Sache veröffentlichen, die den Sinn von Adoption verfehlt. Durch meine eigene Adoption und die Adoptionsgeschichten, die mir in meinen DMs und in den Safer Spaces anvertraut werden, habe ich das Gefühl, zu vielen Leuten, die in Adoptionen verwickelt sind – einschließlich der Adoptionsvermittler*innen!!! – ist noch nicht klar, was der eigentliche Sinn von Adoption ist und was dieser beinhaltet. Das liegt daran, dass Adoptees nicht genügend und zu oft gar nicht in ihren eigenen Adoptionen priorisiert werden – und dadurch wird der Sinn von Adoption immer wieder verfehlt. Halten wir also fest, was den Sinn von transracial Adoptionen verfehlt.

Familien: Do the work. Arbeit bedeutet auch, Fragen zu stellen – zum Beispiel, woher das Kind kommt, das ihr adoptieren möchtet. Kinder sind nicht einfach da.

TRAs: Danke für euer Vertrauen! Wenn euch selbst noch Dinge einfallen, die eurer Meinung nach den Sinn von Adoption verfehlen, schreibt mir eine DM oder teilt sie in den Comments unter diesem Post, damit ich sie mit aufnehmen kann.


31st Blog entry – Monday episode: It fails the purpose of transracial adoption to adopt a Bi_KoC, because….

…. you feel lonely.

Bi_KoC and Kids in general are not tokens or instruments to channel adult’s emotional issues and discomfort. Bi_KoC are kids, too. Their only purpose in life is to be happy children and not the emotional energy source for others – adults!. In fact, it’s the other way around: The purpose of adoption is to be the emotional energy source for the child you adopt as a parent or a family. Adults should learn how to deal with their loneliness first – before the adoption – instead of putting that task on a child that deserves to emotionally grow and blossom itself.

From now on I’ll post about one thing that fails the purpose of adoption every monday. Because of my own adoption story and process and the stories fellow TRAs trustingly share with me I feel like there are still too many people involved in adoptions who don’t understand the purpose of adoption – including the agencies!!!. That is because TRAs are either hardly or not at all prioritized in their own adoption which is why the purpose of adoption is failed over and over again.So let’s state and gather what kind of motivations, aspects, ideas, procedures etc. fail the purpose of adoption.

Families: Do the work. Work does also include to ask questions – e.g. where the child you want to adopt comes from. We do not just exist all of the sudden.

TRAs: Thanks for your confidence in me! If you have things yourself that in your opinion fail the purpose of adoption, please send me a DM or share it in the comments below so that I can include them in this new series of posts.

30. Eintrag – „Es tut mir leid, wenn deine Adoption/dein Aufwachsen in einer Weißen Familie so schlimm war, aber…“

*English version below*

„… mein Kind ist glücklich mit seiner Adoption“

„… mein Kind hat keine Probleme mit Rassismus“

„… für viele Kinder ist Adoption tatsächlich eine Besserung des Lebens“

„… viele Eltern helfen ihren Kindern gegen Rassismus“ usw.usf.

Ein paar Zitate von irgendwelchen Leuten auf Instagram und in meinem Umfeld zum Thema Adoption und Bi_KoC/Bi_PoC-Sein in einer Weißen Familie (oftmals bedingt durch besagte Adoption). Es versteht sich, dass diese Zitate alle von Weißen Menschen und/oder Non-Adoptees kommen. Andere transracial Adoptees (TRAs) und andere Bi_PoC in Weißen Familien fangen den zweiten Teil wenigstens mit „… in meinem Fall…“ an, weil sie wissen, dass es mehr als nur ein Narrativ von Adoption und transracial Familienzusammensetzungen gibt. Sie wissen auch, dass jedes Narrativ verschiedenen Umständen entspringt und valide ist.

Es ist mal wieder Feel yourself-Friday, also habe ich mich entschlossen ein paar Statements zu den wunderbaren Behauptungen von oben zu verfassen.

Liebe „Aber nicht mein Kind“-Empörende und „Nicht alle Adoptionen“- und „Nicht alle Weißen Familienmitglieder“-Rechtfertigende, hier ein paar Statements meinerseits.

  1. Wenn ihr mit den Narrativen bestimmter Adoptee-Plattformen oder Plattformen für Bi_PoC in Weißen Familien nicht übereinstimmt, scrollt doch woanders auf Instagram rum und überlasst uns unseren Raum.
  2. Hört auf so zu tun, als sei eine legal verzwickte, illegale oder traumatisierende Adoption nur bei drei Adoptees weltweit der Fall. Adoptionen sind immer mit Trauma und Verlust verbunden, denn Adoption ist einfach nicht das, worauf Kinder sich vorbereiten, nachdem sie 9 Monate und mehr mit einer Person verbracht haben. Illegale oder legal verzwickte Adoptionen sind keine Ausnahme. Das wisst ihr nur nicht, weil ihr nicht die richtigen oder auch einfach gar keine Fragen stellt.
  3. Hört auf so zu tun, als sei das Aufwachsen in Weißen Familien nur für eine*n in 1000 Bi_PoC schwierig oder mit Problemen verbunden. Auch das ist keine Ausnahme. Das wisst ihr nur nicht, weil „ich sehe keine Farben und für mich sind alle Menschen gleich“.
  4. Die Sätze Bi_PoC und TRAs entgegenzuschmeißen, die strugglen, die heilen wollen und müssen und psychische Belastungen wegen ihrer Adoption und/oder ihres Aufwachsens in Weißen Familien haben, ist gewaltvoll. Uns stummzuschalten, macht die Problematik nicht weg. Ihr nehmt außerdem Raum ein, der euch nicht gehört.
  5. Familien sind ein Kollektiv und wenn sich nur zwei Familienmitglieder für Rassismus und/oder (transracial) Adoption sensibilisieren, hat es uns auch nicht viel gebracht. Dann können wir auch einfach mit unserem racial stress in der Mehrheitsgesellschaft umherirren und gucken was passiert, wenn uns jemand triggert, etwas Unsensibles sagt oder offen rassistisch ist. Werden Leute einspringen oder gehen sie weiter und sagen sich „aber ich bin ja nicht rassistisch“?
  6. Ihr seid nicht Bi_PoC und ihr seid nicht transracial Adoptees, das heißt mit der Weite eures Horizonts könnt ihr – egal, wie sehr ihr euch belest – niemals greifen, wie es ist Bi_PoC und/oder Bi_PoC-TRA in einem Weißen (Familien-)Umfeld zu sein. Behaltet eure Behauptungen darüber, wer glücklich ist und wer nicht, wer die Ausnahme bildet und wer nicht, wer Probleme hat und wer nicht usw. also bitte für euch.

Vielen Dank.

Familien: Do the work.

Bi_PoC und Bi_PoC-TRAs: Habt ihr noch Anmerkungen und Dinge, die ihr hinzufügen möchtet? Dann gerne in die Comments. Wer anonym bleiben möchte, kann mir eine DM schreiben, sodass ich es für euch posten kann.


30th Blog entry – „I’m sorry if your adoption/your growing up in a white family was that bad, but…“

„… my kid is happy with their adoption“.

„… my kid has no problem with racism“

„… for many children adoption really is an improvement of life“

„… many parents support their children against racism“ and so on and so forth.

These are some of the statements I’ve read on Instagram or have heard from people in my (close) environment about (transracial) adoption and the growing up in a white family as a Bi_PoC/TRA. All of them have been dropped by white people and/or non-adoptees. At least other TRAs and/or Bi_PoC in white families start the second part of the sentence with „…in my case…“ because they know that there is more than one narrative and that each narrative has its roots in different circumstances and its validation.

It’s Feel yourself-Friday so I decided to drop some statements myself on those above.

Dear „Not my kid“-outragers and „Not all adoptions“- and „Not all white family members“-justifiers,

  1. If you don’t like the narratives told on certain TRA platforms or platforms of Bi_PoC in white families just move along and scroll on other pages on Instagram. Leave those platforms to us.
  2. Stop pretending like an illegal, legally problematic or traumatizing adoption is something that happens to three TRAs worldwide. Adoptions are always bound to trauma and loss because no baby or child is prepared to be adopted once it’s spent 9 months and more with a certain person (the birth mom and/or birth family). Illegal or legally problematic adoptions are not an exception. You just don’t know that because you don’t ask no questions at all or if you do you don’t ask the right ones.
  3. Stop pretending like being raised by and in a white family only is problematic or bound to problems/difficulties for three in 1000 Bi_PoC. That, too, is not an exception. You just don’t know that because „I don’t see colour and all human beings are the same and equal“.
  4. Dropping your statements on Bi_PoC and TRAs in white families who are struggling and trying to heal is just violent. Silencing us won’t fix the problem. Also you are once again taking space that is not yours to take.
  5. Families are a collective so if only two family members educate themselves on racism and transracial adoption it’s not enough. It’s the same as we were walking on the streets in public wondering whether someone was gonna trigger us or say something offensive or be openly racist and what people would do about it. Will they jump in for us or will they turn their heads and tell themselves „but I am no racist“?
  6. You are neither Bi_PoC nor TRA so you’ll never – even if you’d read all the books – fully understand by the capacities of your horizon what it’s like to be Bi_PoC and/or TRA in a white (family) environment. So please just keep your statements and hypothesis about who is struggling and not and who is happy or not and who is the exception and not for yourself.

Thank you.

Families: Do the work.

Bi_PoC and TRAs: Any remarks or statements yourself? Tell them in the comments and if you’d like to stay anonymous you can send me a DM on IG so that I’ll post them for you.

29. Eintrag- I had questions, why didn’t you?

TW: Adoption x Tod/Adoption x Death

*English version below*

Je mehr ich mich mit meiner Adoptionsgeschichte beschäftigt habe, desto enttäuschter wurde ich vom Weißen Narrativ – und desto toxischer finde ich es auch. Um es herunterzubrechen: Am Ende des Tages ist meine Adoption nichts Notwendiges gewesen, sondern einfach White Supremacy gemischt mit Entitlement und einer günstigen Familienlage. Meine Familienlage ist, dass meine Herkunftsfamilie sehr groß ist und auch damals nicht viel Geld hatte, meine Mutter war gestorben und der Aussage, man habe den Vater nicht gekannt, wurde natürlich geglaubt, weil das so gut ins Bild passt. Mensch muss gar nicht weitere Fragen stellen, wenn alles so gut ins Weiße Narrativ passt.

Ich weiß, dass bestimmte Familienmitglieder jetzt einen Schwall an Gaslighting auf mich loslassen würden, würden sie diesen Eintrag hier lesen, aber ganz ehrlich Leute: Meine Adoptionsgeschichte, mein Narrativ!!!! Denn natürlich erzählen sich alle Beteiligten an meiner Adoption heute immer noch, dass meine Adoption der einzige und vor allem beste Weg für mich war – von der Weißen katholischen Ordensschwester über meine Herkunftsfamilie bis zu meiner Adoptivfamilie und sogar alle, die nicht beteiligt sind. Die einen, weil sie seit Jahrhunderten lernen, dass sie nicht gut genug sind und die anderen, weil sie seit Jahrhunderten lernen, dass die anderen nicht gut genug sind (Stichwort: White Supremacy).

Jedes Mal, wenn ich etwas Neues zu meiner Adoption herausgefunden habe, das nicht mit dem Narrativ besagter Leute zusammengepasst hat, wurde ich gegaslighted. „Nein, deine Mutter hatte aber…“ und „Nein, du solltest nicht zu schnell glauben, dass…“ und „Das kann nicht sein, denn wenn ich das gewusst hätte, dann…“. Ich möchte hierbei anmerken, dass die Adoptionsgeschichte, die wir Adoptees hören, nie das einzige und auch nicht das ganze Narrativ ist. Ich weiß die Dinge, die ich weiß, weil ich Fragen gestellt habe – an meine Herkunftsfamilie – und die schwerwiegendste Frage, die ich mir jetzt stelle ist: Warum hatte niemand Fragen außer ich? Weil Fragen zu stellen, hätte dazu geführt, mich nicht zur Adoption freigeben zu können, weil dann Dinge aufgetaucht wären, die eine Adoption unmöglich gemacht hätten. Fragen zu stellen, hätte zu Antworten geführt, die niemand hätte hören wollen. Ich übertreibe nicht, denn als ich manche Antworten gegeben habe, war die Antwort „Das hätte ich jetzt lieber nicht gewusst“. Ja, das weiß ich, dass die Leute das lieber nicht gewusst hätten – deshalb haben sie ja auch nicht gefragt.

Menschen, die Adoptionen abwickeln – Agenturen, Missionar*innen, Adoptionsfamilien – haben vielleicht keine Fragen zu unseren Leben, weil sie nur interessiert, ein neues Leben mit uns aufzubauen, aber der Teil zwischen 0 und 1 gehört immer noch zu unseren Leben – nicht unbedingt aktiv, aber naja. Ich finde, das Mindeste, das sie für uns tun können, wenn sie uns aus unseren Leben reißen, ist Fragen zu stellen.

Familien: Do.the.work.

TRAs (transracial Adoptees): Ich sehe euch und egal, welche Fragen ihr habt, ich höre euch und egal, welche Antworten ihr habt, ich glaube euch.


29th Blog Entry – I had questions, why didn’t you?

TW: Adoption x Death

The more I information I get on my adoption story and reflect on it, the more disappointed I got about the white narrative of my transracial adoption – and the more toxic I find it. Let me break it down: At the end of the day my adoption wasn’t eve necessary as people told me but a mix of White Supremacy, Entitlement and a practical family situation. My birth mother died a few weeks after I was born, my family is very big and did not have a lot of money around that time and people just believed my relatives when they stated that my birth father was unknown, because it serves the narrative. One doesn’t even have to ask questions, when everything serves the white narrative so perfectly.

I know that there are certain family members of mine who now would gaslight me on this one but honestly: It’s my adoption story, so it’s my narrative that counts! Of course all the people involved in my adoption still tell themselves to this day that my adoption was my only and best opportunity – the white catholic nunn, my birth family, my adoptive family and even those who don’t even took/take part in my adoption. Some think so because they’ve been told that they’re not good enough for hundreds of years and the others think so because they, too, have learned that the others are not good enough (keyword: White Supremacy).

Each time I found out something new about my adoption that didn’t fit the narrative of said people, they would gaslight me. „No, your mother had…“ and „No, you shouldn’t believe that… so quickly“ and „This cannot be true. If I had known this, I never would have…“. Let me tell you that the adoption story adoptees learn as children is never the only and also not the whole narrative. I know the things I know because I asked questions – to my birth family – and the heaviest question I currently have is: Why didn’t anyone ask questions but me? Because asking questions would’ve dig up answers that would’ve altered the possibility of adoption. Asking questions would’ve provided answers nobody wanted to hear. I am not exaggerating. When I shared the answers to those questions people literally told me „I rather wouldn’t have known this“. Yes, I know that they rather wouldn’t have known – that’s why they didn’t ask in the first place.

People who engage in adoption – agencies, missionaries, adoptive families etc. – may not have questions about our pre-adoption lives because they are only interested in creating a new one with us here, but the part between 0 (our birth) and 1 (our adoption) is still a part of our lives, even when it’s not an active part. I think that the least they could do for us when they alter our lives is ask questions.

Familien: Do.the.work.

TRAs (transracial Adoptees): I see you and whatever questions you may have I hear you and whatever answers you may have, I believe you.

28. Eintrag – We’re people, not chocolate!

TW: (Sexuelle) Fetischisierung und Exotisierung von Bi_PoC

Diese Aussage wird jetzt wieder viele triggern, aber well, I honestly don’t care: Bi_PoC mit Essen zu vergleichen, sie nach Essen zu benennen und wie etwas zu behandeln, das mensch genüsslich aufessen kann und dabei Freude und Vergnügen gibt, ist fetischisierend und exotisierend. Es ist ein postkolonialistisches Phänomen, vor allem Schwarze als Essen zu behandeln/bezeichnen. Wir sehen das oft in der Werbung (Bsp.: Müller Milch -> Exotisierung) und an Aussagen wie, dass „Sch*kobabies“ die Süßesten seien. Aber auch dann, wenn Weiße Menschen mit unserer Hautfarbe bestimmte Stereotype und rassistische Merkmale assoziieren und von uns bewusst/unbewusst, direkt/indirekt verlangen, diese für sie zu erfüllen, ohne unsere Persönlichkeiten und Menschlichkeit mitzudenken. Ein typisches Indiz für Fetischisierung ist auch, dass mensch dann verallgemeinernde Aussage trifft: „Diese Brasilianer können immer so gut/sexy tanzen“ oder „Schwarze Frauen sind immer so…“. Diese Aussage ist dann an etwas geknüpft, dass die*den Bi_PoC für die Weiße Person attraktiv macht. Hierbei betrifft Attraktivität nicht nur sexuelle Anziehungen, sondern auch (platonische) interpersonale Beziehungen.

Elternteile und Familienmitglieder, die Sch*kobabies haben wollen, sollen sich einen Schokoladenkeks backen. Wer einen Schokokuss haben will, soll sich welche im Supermarkt kaufen. Ich bin es leid, es immer wieder wiederholen zu müssen: Bi_PoC sind Menschen. Wir sind nicht Essen. Wir sind auch nicht dazu da, Weißen Menschen Freude und Vergnügen zu bereiten, wie das Schokolade tut. Dass Familienmitglieder und White People in general uns bei jeder Gelegenheit mit Essen vergleichen und uns auf eine Ressource reduzieren, ist dehumanisierend!

Familien: Was denkt ihr, was für ein Bewusstsein für das Selbst und die eigene Hautfarbe ihr euren Kindern anerzieht? Do.the.work.

Bi_PoC: I see our humanity and I love it!

27. Eintrag – White Entitlement und Supremacy bei transracial Adoptionen

TW: Adoptionstrauma x Suizid x Tod

Ich habe wirklich viel darüber nachgedacht, warum Adoptionen für zu viele – nicht alle, aber zu viele – transracial Adoptees so schmerzhaft und zerreißend sind. Nicht nur das Verlassen von Herkunftsfamilie und Herkunftsland, sondern der ganze Prozess der Adoption inkl. der Integration in die neue Familie und Umgebung. In den USA ist gerade National Adoptee Awareness Month und ich habe von viel zu vielen transracial Adoptees gelesen und gehört, deren Adoption so zerreißend und so schmerzhaft für sie war, dass sie sich das Leben genommen haben. Jedes Mal, wenn ich von einer schmerzhaften, unglücklichen oder sogar tödlichen Adoptionsgeschichte höre, tut mir das richtig weh. Ich kenne die Leute nicht unbedingt, aber ich kann mich identifizieren, mit dem Schmerz, den sie haben, wenn ihre Adoptionen nicht aus den richtigen Gründen passieren. Wenn andere Menschen denken, sie hätten ein Anrecht auf ihr Leben. Wenn andere Menschen in den Vordergrund stellen, wie die Adoption für sie ist und nicht, was und wie es für uns ist. Da ich von transracial Adoptionen in Weiße Familien spreche, spreche ich bei „andere Menschen“ über Weiße Menschen, die adoptieren – Geschwister und sonstige Familienmitglieder inklusive.

Listen, y’all: Adoptionen sind für das Kind! Nicht für das Weiße Ego Weißer Savior. Nicht für den Ausgleich biologisch gegebener Reproduktionsungerechtigkeiten. Nicht für das eigene Prestige. Nicht für den eigenen Sinn des Lebens. Nicht für ein besseres und glücklicheres Leben für sich selbst. Nicht für die Niedlichkeit der „Sch*kobabies“. Adoptionen sind für das Kind! Kinder sind Menschen. Menschen haben Leben. Menschen leben. Wer eine emotionale Lücke füllen will oder „Sch*kobabies“ süß findet oder sich in der Nachbarschaft als White Savior etablieren will oder einen Sinn im Leben will, soll einen Hund kaufen, Patenschaften übernehmen oder seinen Job kündigen und was Neues starten. Aber Kinder aus ihrem Leben zu reißen, damit mensch selbst ein schöneres Leben hat, ist egoistisch. Und es verfehlt den Sinn von Adoption.

Kinder sind Menschen. Kinder ohne Eltern sind Menschen. Kinder ohne Supportsystem sind Menschen. Kinder ohne Liebe für sich in ihrem Umfeld sind Menschen. Es wird hier mit Leben gespielt, weil mensch denkt, er*sie hätte ein Recht darauf, ein (Schwarzes, Indigenes) Kind (of Color) zu haben. Listen people, in erster Linie ist Adoption dazu da, einem Kind, das kein Supportsystem, keine Liebe, keine Eltern und kein liebendes und sicheres Umfeld hat, genau das für immer zu geben. Das heißt, ein Kind sucht jemanden, der*die das geben kann. Darum geht es. Es geht nicht darum, dass das Kind die eigenen Zwecke, emotionalen Lücken, den Sinn des Lebens und sonstige individuelle, ichbezogene Dinge erfüllt.

An einem Punkt in ihrem Leben fragen viele Adoptees ihre Eltern, warum diese sie adoptiert haben und transracial Adoptees fragen möglicherweise auch noch, wieso ihre Eltern gerade ein Bi_KoC adoptiert haben. Adoptee-Eltern, ich spreche euch jetzt ganz gezielt an: Überlegt euch gut, was die Antwort auf diese Frage(n) ist. Ich kann euch sagen, dass „Ich wollte schon immer ein Schwarzes Baby“ und „Es macht sich gut in der Kirche“ nicht die Antworten sind, die eure*euer transracial Adoptee hören will und es sollte auch nicht die Motivation dahinter sein.

Wieso jetzt White Entitlement und Supremacy? Ich habe schon angesprochen, dass Kinder des Globalen Südens selten innerhalb des Globalen Südens adoptiert werden, sondern es Institutionen gibt, die Geld damit machen, diese Kinder in den Globalen Norden zu bringen. Eine – nicht die einzige – Begründung ist, dass sowohl Menschen im Globalen Norden als auch im Süden durch die Linse des Weißen Narrativs eingetrichtert wird, dass Kinder es im Globalen Norden besser haben. Das ist White Supremacy. Weiße Menschen als Kollektiv denken, sie hätten ein Anrecht darauf, diese Kinder aus den schrecklichen Bedingungen dort zu befreien und selbst großzuziehen – ohne Rücksicht auf Verluste. Und wie gesagt: Adoptionen sind IMMER mit Verlust verbunden. Das ist White Entitlement.

Aber nicht nur das. White Supremacy kommt gerade dann ins Spiel, wenn Familienmitglieder im Globalen Süden davon überzeugt werden, ihre Kinder an fremde, Weiße Menschen abzutreten, weil ihnen gesagt wird, sie seien nicht gut genug, für diese zu sorgen. Das verfehlt total den Sinn von Adoption. Kinder, die Familie haben, die sich um sie kümmert, sie liebt, sie schützt – auch wenn es nicht die Birth Parents sind – brauchen keine Adoption.

White Entitlement ist auch, wenn Weiße Menschen denken, sie wüssten am besten, was das beste für das Kind ist – besser als die Herkunftsfamilie, besser als alle Bi_PoC. Sie denken, sie hätten ein Anrecht darauf, ihnen zu sagen, ob sie gut genug sind und später denken Weiße Familienmitglieder, sie hätten ein Anrecht darauf, dass wir mit ihnen bei 0 anfangen, wo 1 ist (s. letzter Beitrag) und uns zu sagen, wie wir mit unserer Adoption umzugehen zu haben. White Entitlement ist auch „Ich wollte ein Schwarzes Baby!“. Listen y’all: Weiße Menschen sind nicht entitled, Schwarze Kinder zu haben. Sie sind nicht entitled, aus anderen Familien ihre eigene zu bilden, weil das Familienfoto so viel bunter aussieht. Sie sind nicht entitled, Schwarze Menschen als Paradebeispiel für ihren Saviorism zu benutzen. Sie können es aber tun und das ist die Essenz von White Supremacy: Die Dinge, die Weiße Menschen nicht tun sollten oder eigentlich nicht tun dürfen, aber trotzdem tun können, weil sie diejenigen sind, die sagen, was sie tun sollten und dürften.

Meine bisherige Antwort auf die Frage, wieso Adoptionen für zu viele transracial Adoptees schmerzhaft und zerreißend sind: Whiteness. Whiteness zentriert die eigenen Bedürfnisse und nicht die Bedürfnisse des Kindes und das verfehlt den Sinn von Adoption. Damit wird Adoptees die Last auferlegt, der Sinn des Lebens, Paradebeispiel, Ego-Booster, Ausgleich für Reproduktionsungerechtigkeiten, Stereotypisierung zu sein. Whiteness in Adoptionen macht Kinder im Globalen Süden zu Projekten, Zahlen und Waren und das ist dehumanisierend.

Wenn ich sage, dass Weiße Familien lernen müssen, ihre Whiteness abzulegen, dann sage ich das nicht so dahin. Whiteness dehumanisiert und ist toxisch.

Familien: Do.the.work!!!!!

Bi_PoC-Adoptees: Ganz viel Liebe, Stärke und inner peace für euch! Connected euch, weil niemand von uns mit Adoptionstrauma und Zerrissenheit alleine sein sollte oder ist. Falls ihr kommentieren möchtet, tut das gerne. Schreibt mir eine DM, wer es braucht.

Adoptee-Eltern und Weiße Familienmitglieder von Adoptees und alle Non-Adoptees: Ich möchte heute bitte keine Kommentare von euch unter diesem Post lesen. Dieser Post dreht sich um Adoptees, bitte respektiert das. Nehmt den Beitrag an, nehmt ihn mit, reflektiert und do the work.

26. Eintrag – Wir fangen nicht bei 0 an

TW: Adoption x Verlust

Elternteilen, die adoptieren, wird gern vermittelt, dass sie mit einem Baby bei 0 anfangen würden, weil die Persönlichkeit noch nicht geformt ist und auch ein Langzeitgedächtnis noch nicht entwickelt. Non-Adoptees denken, dass ein Kind zu adoptieren das gleich sei wie ein Kind selbst zu bekommen – man liebt es ja gleich. Aber darum geht es nicht. Leibliche Kinder fangen bei 0 an, adoptierte Kinder nicht.

Wie gestern schon erwähnt, datiert das Weiße Narrativ den Beginn unseres Lebens mit dem Beginn unseres Adoptee -Lebens. Währenddessen wird von uns erwartet, leibliche Familie, Kultur und Herkunft hinter uns zulassen und auf den Zug des Weißen Narrativs aufzuspringen.

Alles, was vor unserer Adoption passiert, ist der Raum zwischen 0 und 1 – egal, wie jung wir sind.

Von uns wird erwartet, alles vor dem Adoptee-Life zurückzulassen, damit unsere Adoptee-Familien mit uns bei 0 anfangen können. Neue Erinnerungen machen können, die unser Leben prägen.

Fakt ist aber: Wir fangen nicht bei 0 an.

Adoptees hatten für eine kurze oder eine lange Zeit eine Identität, die Non-Adoptee war – biologisches Familienmitglied, Pflegekind, Heimkind, John Doe im Krankenhaus und andere.

Wenn wir Informationen aus unserer Säuglingszeit und/oder Kindheit haben wollen, können wir nicht einfach unsere Elternteile fragen, denn wir fangen mit ihnen nicht bei 0 unseres Lebens an, sondern bei 1.

Alle Informationen des Lebens zwischen 0 und 1 müssen wir uns zusammenkratzen und das ist nicht immer möglich. Unsere Leben zwischen 0 und 1 sind lückenhaft oder dokumentarisch nichtexistent.

Deshalb sind Adoptionen auch immer über das Kappen der Bindung zur leiblichen Mutter mit Verlust verbunden. Wir verlieren Aspekte unseres Lebens, die zwischen 0 und 1 stattfinden und die wir eventuell nicht wiederfinden können.

Adoption ist Trauma und wir müssen entlernen, Adoptees zu vermitteln, einfach okay mit ihren Verlusten und Informationslücken sein zu müssen und ihnen zu vermitteln, bei 0 anzufangen, wo eigentlich 1 ist.

Wir fangen nicht bei 0 an.

Außerdem Bi_PoC: Im letzten Space haben wir den Freitag als „Feel yourself-Friday“ für uns erklärt. Dieser Text is me feeling myself, today. Aber wie dem auch sei, ich mache die nächsten Stunden etwas nur für mich und am Nachmittag Sushi mit meiner Mitbewohnerin :). Was tut ihr euch heute Gutes? How are you feeling yourself today?