44. Eintrag – Der Unterschied zwischen gleich und gleichberechtigt

*English version below*

„Alle Kinder in der transracial Familie gleich aufzuziehen, ist nicht das Ziel hier. Eigentlich ist es sogar schrecklich schädigend“ – Elli Bonin

Heute nur ein kurzer Input: Der Unterschied zwischen „gleich“ und „gleichberechtigt“ ist, dass wenn wir Kinder aufziehen, als wären sie alle gleich, wir nicht auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen können, weil wir nicht ihre unterschiedlichen Realitäten sehen. Gleichberechtigt bedeutet, dass unsere Kinder in unseren Familien über ihre Unterschiede hinweg die gleiche Stellung, den gleichen Wert, die gleichen Rechte und die gleiche Wertschätzung genießen. Ein Schwarzes Mädchen in der Erziehung gleich zu behandeln, wie einen Weißen Jungen ist schädigend, denn das Schwarze Mädchen wird nicht die gleiche Lebensrealität haben, wie der Weiße Junge – das macht sie ungleich, aber nicht automatisch ungleichberechtigt in meinem Haus. Trotzdem können beide die gleiche Wertschätzung im Familienkreis erfahren – das (unter anderem) macht sie gleichberechtigt. Alle Kinder, trotz ihrer Unterschiede, zu behandeln als wären sie alle gleich, mit den gleichen Lebensrealitäten, Hürden, Freuden, Fähigkeiten etc. ist schädigend, wenn es darum geht, sie aufs Leben vorzubereiten, sie zu schützen, zu leiten und auch zu empowern, weil wir nicht sehen können, welche Instrumente wir ihnen in die Hand geben können, um in der Welt zurechtzukommen. Es führt auch dazu, dass sie bei uns keinen Safe Space genießen können, weil wir nicht anerkennen, dass ihre Leben unterschiedlich sind (Stichwort: Farbignoranz). Das führt dazu, dass wir unsensibel gegenüber ihren Bedürfnissen werden. Mein transsexuelles Schwarzes Kind lebt eine andere Intersektionalität von Diskriminierungen als mein cissexuelles Weißes Kind – und sie brauchen demnach unterschiedliche Formen des Empowerments. Woher will ich das wissen, wenn ich einfach sage: Sie sind beide Kinder und das ist alles, worum es geht? Kind ist nicht Kind. Kinder sind kein Schmelzkessel, sie nehmen Dinge unterschiedlich wahr, haben andere Bedürfnisse und müssen sich mit unterschiedlichen Schwierigkeiten auseinandersetzen. Das anzuerkennen, bedeutet nicht, dass meine Kinder in meinem Haushalt nicht gleichberechtigte Menschen sind, sondern einfach, dass sie nicht dieselben Menschen sind.

Außerdem: Gerade in transracial Familienkonstellation ist diese Annahme, dass Gleichheit und Gleichberechtigung dasselbe sind, oft mit White Fragilty-Symptomen verbunden und entstammt dem bedrückenden Fragility-Gefühl Weißer Menschen, Hautfarben anzuerkennen und zu thematisieren.

Familien: Do the work.

Bi_PoC: Ich liebe uns.


44th blog entry – The difference between „same“ and „equal“

„Raising all the kids in the transracial family home the same is not the goal, here. Actually it’s crucially harmful“ – Elli Bonin

Today just a brief input: The difference between „same“ and „equal“ is that when we raise kids the same we cannot see all their differences and so not meet their individual needs since we do not acknowledge their realities. „Equal“ means that our kids – beyond their differences – share the same position, worth, rights and appreciation within our families. Raising a black girl the same as a white boy is harmful to the black girl because the two don’t share the same reality which makes them different – but not unequal. Nontheless both can experience the same kind/amount of appreciation in their families – which (partially) makes them equal. Treating all the kids the same with same realities, challenges, joy, abilities and such is harmful when it comes to preparing them for life, protecting them, guiding them and also empowering them because we cannot see what tools to give them to make it easier. It also leads to the circumstance that they don’t have a safe space with us because we do not acknowledge their differencies (keyword: color ignorance). This also leads to us being insensitive to their needs. My transsexual black child will live a different intersectionality of discrimination than my cissexual white child – and therefore they need different kinds of empowerment. How am I to know that if I just tell myself that they are the same and that’s all that matters. Child does not mean child. Children are not a monolith, they experience things differently, have different needs and have to deal with different kinds of difficulties in life. Acknowledging this does not mean that my kids are not equal in my household but that they are not the same persons.

Also: Especially in transracial families we find that the assumption that raising the kids the same is the same as raising them equal often has to do with white fragilty symptoms of white family members and is bound to their fragility-feeling not to acknowledge and discuss skin colors.

Families: Do the work.

Bi_PoC: I love us.

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