41. Eintrag – Weiße Grenzen in Transracial Familien

*English version below*

„Grenzen zu kommunizieren, leben und respektieren ist essentiell für gesunde Beziehungen. Das gilt auch für die Beziehungen zwischen Weißen und nicht-Weißen Menschen innerhalb von Familien“ – Elli Bonin

Grenzen zu setzen wird oftmal als respektlos aufgefasst. Das betrifft meist Menschen, die davon profitieren, dass wir keine Grenzen haben oder Pseudo-Grenzen nach ihnen ausrichten. Wieso das? Es als respektlos anzusehen, dass Menschen uns gegenüber und für sich selbst Grenzen setzen, hat viel mit Entitlement und dem, dem wir gegenüber berechtigt zu sein glauben, zu tun. Das können Körper und Entscheidungen anderer Menschen betreffen, aber auch das Wissen über ihr Leben und ihre Geschichte, ihre Arbeit, Gedanken und mehr. Das ist vor allem der Fall, wenn wir uns in Beziehungen befinden, in denen wir eine gewissen Hierarchie oder Überlegenheit einer/mehrerer Person gegenüber der/den Anderen leben. Diese Art von Beziehungen betrifft Eltern und Kinder, ältere Menschen und junge Menschen und auch Weiße Menschen und Bi_PoC.

Wenn wir also einen Blick auf unsere transracial Familien werfen, ist es wichtig, dass wir schauen, wer welche Grenzen wem gegenüber und wessen bzw. wie diese Grenzen gelebt und respektiert werden. In hierarchischen Beziehungen, wo eine Person der anderen überlegen ist, ist es normalerweise in der Macht der überlegenen Person, zu entscheiden wie Grenzen gelebt und respektiert werden und vor allem auch von wem. Deshalb müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass wenn es darum geht, wie Grenzen gesetzt, gelebt und respektiert werden, Weiße Elternteile aufgrund von Whiteness und Elternschaft eine Schnittmenge an Macht über ihre Bi_KoC besitzen. Genauso, wie Diskriminierung intersektional verstärkt, verstärken sich Privilegien und Macht. Das ist der Grund, weshalb die Grenzen, die von Kids of Color und vor allem Schwarzen und Indigenen Kindern of Color von ihren Eltern vor allem aus Weißer und elterlicher Überlegenheit überschritten werden. Ihre Weiße und elterliche Überlegenheit lässt sie (unterbewusst) Grenzen überschreiten, indem sie machtvolle (rassistische) Sprache und Handlungsweisen reproduzieren. Kinder und in diesem Fall Bi_KoC internalisieren diesen Beziehungsstatus, wenn sie denken, dass sie ihren Weißen Elternteilen freien Zugang schuldig sind und/oder ihnen aufgrund ihrer Position keine Grenzen setzen dürfen.

Die Psychologin und Psychotherapeutin Nedra Tawwab sagt, dass die Annahme oder der Glaube anderen Menschen gegenüber überlegen zu sein und ein Anrecht auf sie zu haben, zu Missbrauch und Entpowerment führt. Missbräuchliche oder entpowernde Beziehungen sind schädlich und ungesund für uns.

Es gibt keine Hierarchie in der (mentalen) Gesundheit von Menschen. Egal, von wem Grenzen gesetzt werden, sie sind zu respektieren. Unsere mentale Gesundheit kümmert sich nicht um konstruierte Hierarchien oder Überlegenheit.

Grenzen aus Whiteness oder elterlicher Überlegenheit heraus zu überschreiten, involviert Dinge ohne Einwilligung zu tun. Das meint auch die Stories von Transracial Adoptierten einfach zu teilen oder Bi_KoC in die Haare zu fassen. Wenn Weiße Elternteile (unterbewusst) denken, sie hätten in irgendeiner Weise ein Anrecht auf das Leben (und ihrer Geschichten) und die Körper ihrer Kinder of Color sowie ihrem gesamten Sein, werden sie deren Versuche, Grenzen zu setzen, gewaltvoll (psychisch, emotional oder physisch) ablehnen.

Wenn wir uns an die Arbeit machen, die Menschlichkeit in Bi_KoC anzuerkennen und zu respektieren, müssen wir auch die Grenzen anerkennen und respektieren, die sie als Menschen setzen. Whiteness und Entitlememt in unseren eigenen Zuhause zu dekonstruieren, ist dabei hilfreich.

Familien: Do the work.

Bi_PoC und Bi_KoC: Ich liebe uns.


41st blog entry – white boundaries within transracial families

„Communicating, living and honoring boundaries is essentiell for healthy relationships. This also applies to relationships between white and non-white folks within families” – Elli Bonin

Setting boundaries is often interpreted as disrespectful. Mostly by people who benefit from us having no boundaries or setting pseudo boundaries in their best interest. Why is that? Being offended by someone setting boundaries has a lot do with entitlement and what we think we are entitled to. That includes bodies, decisions, knowledge about people’s lives and their stories, people’s work, minds and more. This is especially the case when we set boundaries in relationships in which we maintain a certain hierarchy or superiority of one or more people. This applies to relationships between parents and children, elder people and younger ones and also white folks and non-white folks.

So when we look at boundaries in our transracial homes we must pay intention to who by the boundary is set and also how we live and honor boundaries that are set by certain people. In hierarchical relationships where one person is superior to the other, the superior person normally holds the power on how boundaries are lived and honored and by whom. Thus we have to be clear about that when it comes to how we set, live and honor each other’s boundaries White parents hold an intersection of power over their Bi_KoC due to whiteness and parenthood. As discrimination works intersectional, privilege and power do too. This is why boundaries set by children of color are mostly crossed by their White parents because of white and parental superiority. Due to white and parental entitlement White parents may (subconsciously) cross their Bi_KoC’s boundaries because of internalized (racist) language and behavior. Children and in this case Bi_KoC internalize that kind of relationship status as they think that they owe their white parents access or are – due to their position- not allowed to set boundaries for them.

As Nedra Tawwab established, the assumption or belief to be entitled to other people leads to abuse and disempowerment. Abusive or disempowering relationships are unhealthy for us. No matter by whom boundaries are set they are ought to be respected – there’s no hierarchy in the (mental) health of people. Mental health does not care about constructed hierarchy and superiority.

Crossing boundaries out of whiteness and parental superiority involves doing things without consent. This also includes sharing TRAs stories without consent or touching Bi_KoC’s hair. As White parents people may (subconsciously) think that they are somewhat entitled to their children’s bodies and lives (life stories) and their whole being in general they’ll turn down any attempts to set boundaries through psychological, emotional and/or physiological violence.

As we do the work to acknowledge and respect Bi_KoC’s humanity we also need to acknowledge and honor the boundaries they set as human beings. Deconstructing whiteness and Entitlement within our homes helps with that.

Families: Do the work.

Bi_PoC: I love us.

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