39. Eintrag – Schockiert zu sein, bringt uns nicht weiter

*English version below*

TW: Anti-indigener Rassismus

„Weiße Familienmitglieder müssen aufhören über gewaltvolle Whiteness schockiert zu sein. Schockiert zu sein hat uns bisher im Abbau von White Supremacy in Familienkreisen nicht weitergebracht, sondern immer nur noch mehr Gewalt hervorgerufen“ – Elli Bonin

Weiße Menschen als Kollektiv haben gelernt, dass ihr Weißsein sie gegenüber anderen Menschen perfekt macht. Es ist notwendig für die Erhaltung von White Supremacy, dass Weiße Menschen sich aufgrund ihres selbst zugesprochenen Perfektionismus‘ von allem, das nicht perfekt scheint, abspalten und abheben – das betrifft vor allem das Pendant zu Whiteness: Blackness. Wir sehen diese Form von Abspaltung vor allem bei Rassismus sehr stark, weil mit der Kritisierung von Weißsein eine Legitimationsgrundlage und auch eine Existenzgrundlage angegriffen wird. Vor allem aber verletzen wir mit der Ansprache von Rassismus und der Ausbeutung und Unterdrückung Schwarzer Menschen, Indigener Menschen und People of Color den Weißen Stolz. Durch Rassismus wurde Weißen Menschen beigebracht, stolz auf die Dinge zu sein, die sie als Weiße Menschen erreicht haben. Das betrifft beispielsweise den Genozid an Indigenen Menschen, der heute noch als „Entdeckung“ gefeiert und „Unglück“ verharmlost wird. Um diesen Perfektionismus zu erhalten, wird sogar gesagt, dass es Indigene Menschen nicht mehr gibt.

Aus dieser selbst zugesprochenen Perfektion als Weiße Person stammt auch der Weiße Exzeptionalismus (White exceptionalism), bei dem sich Weiße Menschen (vor allem) bei Rassismus ganz bewusst von anderen Weißen Menschen, die Rassismen reproduzieren oder sogar Rassist:innen sind, abheben, weil Rassismus ironischerweise als etwas Imperfektes gilt. Eine Art und Weise das zu tun, ist Schock Ausdruck zu verleihen – vor allem Bi_PoC gegenüber -, um sichtbar zu machen, dass mensch selbst nichts damit zu tun hat.

Wieso ist das nicht weiterführend im Abbau von White Supremacy (im Familienkreis)?

Sobald sich eine oder mehrere Weiße Personen von Weißen Menschen, die offen Rassismen reproduzieren oder Rassist:innen sind, abheben, geben sie sich selbst eine Entschuldigung, sich nicht mit ihren eigenen Rassismen und ihrer Erhaltung von White Supremacy auseinandersetzen zu müssen, weil sie ja „nicht so schlimm wie die anderen“ sind und auch anfangen, „das andere“ als Maßstab für Whiteness zu setzen. Es ist aber notwendig für den Abbau von Weißer Überlegenheit, dass sich Weiße Menschen mit ihren Rassismen, Rassismus und Weißsein auseinandersetzen. Aussagen wie „Die Briten waren viel schlimmer“, wenn es um deutsche Kolonialgeschichte geht, die hier nicht aufgearbeitet wird, helfen uns nicht weiter. Ein sehr typisches Beispiel ist auch, dass hier in Deutschland immer mit dem Finger auf Vereinigten Staaten von Amerika gezeigt wird, anstatt vor der eigenen Haustür zu kehren. So sind neulich viele Weiße Menschen hier in Schock geraten, weil Weiße Menschen in den Staaten das Capitol stürmten, obwohl nicht einmal vor einem halben Jahr Neonazis und Reichsbürger:innen dasselbe Vorhaben gestartet haben – da waren aber alle ziemlich leise, weil es zu nah den eigenen Perfektionismus angreift. Aber auch das bringt niemanden weiter.

Wieso reproduziert das Gewalt?

Wenn sich Weiße Menschen nicht mit ihrem Weißsein auseinandersetzen, werden sie es ungehalten und unbedacht gegenüber Bi_PoC ausspielen. Im Familienkreis sehen wir das dann daran, dass die Weiße Sichtweise mehr zählt als die der Bi_PoC und diese mit Gaslighting etc. übergangen wird. Das ist gewaltvolles Weißsein. Auch das eigene Kind als Token für die Darstellung des eigenen Antirassismus zu benutzen, ist gewaltvoll. An dieser Stelle nochmal: Dass eine Weiße Person eine Bi_PoC in der Familie hat, macht diese Person NICHT zum:zur Antirassist:in!!! Bi_PoC sind keine Aushängeschilder oder Pflaster für den verletzten Stolz Weißer Menschen, wenn mensch sie für ihre Gewalt anprangert. Das ist gewaltvoll.

Halten wir fest, dass die Idee, das deutsche Parlament zu stürmen oder eine rechte Partei in den Bundestag zu wählen, aus demselben Weißsein stammt, wie das Familienmitglied, das die Bi_PoC im Familienkreis mit Gaslighting, Relativierungen und sogar offensiven Aussagen abweist, wenn diese ihre schmerzhaften Erfahrungen teilt. Weiße Familienmitglieder sind NICHT außergewöhnlich oder perfekt. Sie haben genauso viel Arbeit zu tun wie jede andere Weiße Person auch.

Welche nützlichen Dinge können Weiße Familienmitglieder tun, wenn sie von gewaltvoller Whiteness hören (inkl. der eigenen)?

  1. Stellt euch nicht in den Vordergrund, wenn Bi_PoC ihre Erfahrungen mit euch teilen. Wie schockiert ihr seid, ist irrelevant für die Situation. Nehmt die Erfahrungen an und achtet darauf, was die teilende Person jetzt von euch braucht.
  2. Horcht in euch hinein, bevor ihr andere Weiße Menschen für ihr Weißsein verurteilt. Kehrt erstmal in eurem eigenen Zuhause. Wo, wann und wie seid ihr diejenigen, die White Supremacy leben und aufrecht erhalten und wie habt ihr vor das zu ändern?
  3. Do the work. Streitet euch mit euch selbst, hinterfragt euch, macht einen Schritt auf die Bi_PoC in euren Familien zu, informiert euch und ganz wichtig (!!!!!): Wenn ihr keine Ahnung habt, was ihr tun sollt, dann wendet euch an andere Personen, die Weißsein gegenüber kritisch sind und euch an Informationen von Bi_PoC weiterleiten können. Schreckt nicht davor zurück uns dafür zu bezahlen, dass wir euch aufklären. Macht Online Workshops und lest Exit Racism. Erwartet nicht von Bi_PoC kostenfrei für euch zu arbeiten. Das ist rassistisch.
  4. Lasst euren Terror, der aus eurem verletzten Stolz stammt, nicht an Bi_PoC aus. Ihr seid nicht wütend auf uns, sondern darauf, dass ihr doch nicht so außergewöhnlich und perfekt seid, wie ihr es gelernt habt, zu glauben. Tragt das mit euch selbst aus, indem ihr an euch arbeitet. Die Seelen von Bi_PoC stehen euch nicht zur Verfügung. Wir sind damit beschäftigt, zu heilen.

Für weitere Infos besucht die Instagram Plattformen von @moemotivate @_heytra und @amandatda . Außerdem: Nehmt hier an den Studien teil und teilt diese!

Familien: Do the work.

Bi_PoC: Ich liebe uns.


39th blog entry – Being shocked is not bringing us far

TW: Anti-indigenous racism

„White family member have to stop to be shocked by violent whiteness. Being shocked has not brought as far in deconstructing white supremacy within our families, but only produced more violence“ – Elli Bonin

White people as a collective have learnt that their whiteness is what makes them perfect and exeptional to others. That white peiple think of themselves as perfect in their whiteness and so keep off from all things that are deemed ‚imperfect‘ is necessary for upholding white supremacy – that in particular means blackness. We can see that especially when it’s about racism because the critique on whiteness hurts the legitimacy and existence of white people. But mostly we offend white pride when we bring up racism and the exploitation and oppression of black people, indigenous people and people of color. It is due to racism that white people learned to be proud of the things they achieved through their whiteness. This involves e.g. the genocide of indigenous people that today still is celebrated as a „discovery“ and trivialised as an „accident“. To uphold the perfect picture of whiteness people even say that indigenous people do not exist anymore.

From that self awarded perfection as white people stems white exceptionalism, which means white people seperating themselves from openly racist people and racists because racism – ironically – is deemed as something imperfect. One manner to do that is by emphasizing shock – towards Bi_PoC – when confronted with white violent behavior to visualize how much one does not have anything to do with it.

Why isn’t it helping to deconstruct white supremacy (within families)?

As soon as one or several white people seperate themselves from white people who reproduce racist behavior or even are racists, they excuse themselves from doing their own work to deal with their own racist behavior and whiteness, because it’s „not as bad as the other’s“ or because they start to use other people’s whiteness as a scale. But it is necessary to engage and argue with your own whiteness in order to deconstruct it. Statements as „the Brites were far more worse“ on german colonialization don’t bring us further. Another typical exemple for the issue is to point fingers at the USA instead of doing the own work here first. Thus many white people here were „shocked“ by other whites in the USA who stormed the Capitol but silent when neonazis and Reichsbürger:innen here tried the same not even 6 months ago. People are silent because it too much offends their own white pride. But this is not bringing us far.

Why does that produce more violence?

When white people don’t engage and argue with their own whiteness they will just reproduce racism towards Bi_PoC. In families we see that when the white view is prioritized stronger than the black one and the Bi_PoC is turned away through gaslighting etc. This is violent. Also, to tokenize children is violent. Again: Having a Bi_PoC in your family does not make you antiracist. Bi_PoC are no token or plaster for offended white pride when white people are called out for their violence. This is violent, too.

Let us state that the idea to storm the german parliament or vote a right wing party into the Bundestag stems from the same whiteness as the white family member turning away the Bi_PoC in the family through gaslighting, trivialisms and even offensive statements when they share their painful experiences. White family members are not exclusive or perfect. They have as much work to do as any other white person, too.

Which helpful things can white family members do when they are confronted with (their own) violent whiteness?

  1. Don’t put yourself in the foreground when Bi_PoC share their experiences. However shocked you may be it is irrelevant for the situation. Take their experiences and prioritize what the Bi_PoC needs from you right now.
  2. Engage with your own whiteness before you judge others. Tidy up in your own home first. Where, when and how are you the one that upholds and lives white supremacy and how do you plan on changing that?
  3. Do the work. Argue with yourself, question yourself and take a step towards the Bi_PoC in your family, educate yourself and most importantly (!!!!): If you have no idea what to do and what is harmful ask other people who are critical about (their) whiteness and can make suggestions as to where to find information from Bi_PoC. Do not fear to pay us for educating you. Take a online class or read exit racism. Don’t expect Bi_PoC to do the work for you for free. That’s racist.
  4. Don’t take your terrors that stems from your offended pride to Bi_PoC. You are not mad at us but at yourself for not being as exceptional and perfect as racism made you think. Engage on that with yourself by doing the work. The souls of Bi_PoC are not available for your anger and terrors. We are occupied with healing.

For more information visit the IG Platforms of @moemotivate @_heytra and @amandatda . Also: Fill out the surveys here and share them!

Families: Do the work.

Bi_PoC: I love us.

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