32. Eintrag – Wie Leben gerettet werden

*English version below*

Einen Aussage zu Adoption, die ich wirklich aus tiefstem Herzen ablehne, ist: Adoption rettet Leben. Wessen Leben und woran machen das die Leute fest? Diese These ist eine neue Aussage derjenigen, die das Narrativ und Bild Weißer Retter*innen stützen. Den Hashtag findet man zum Großteil unter Hunden und transracial Adoptierten aus dem Globalen Süden. Diese Aussage dient auch wirklich nur den Adoptionsvermittlungsstellen, Missionen, Initiativen und Adoptiveltern, die sich jeden Tag ihres Lebens sagen können, sie hätten ein Kind aus schrecklichen Lebensverhältnissen gerettet.

So wie ich (meine) transracial Adoptionen sehe, wird die „Rettung“ unserer Leben zu oft hauptsächlich an zwei Dingen gemessen: 1) Der Existenz Weißer Menschen darin und 2) Materialien. Unter dem Post „Adoptees, what was missing for you growing up?“ („Adoptees, was hat euch gefehlt, als ihr aufgewachsen seid?“) von @thisadopteelife auf Instagram stehen als Antwort auf diese Frage Dinge wie „meine Mutter“, „Sicherheit“, „meine ganze biologische Familie, Gegenwart und Vergangenheit“, „Eine klare Identiät“, „Wissen, wo ich hingehöre“, „Familienähnlichkeit und medizinische Familiengeschichte“, „emotionale Wärme“, „Liebende Eltern, die mich priorisieren und nicht ihre eigenen Wünsche, wenn es um meine Adoption geht“ und vieles mehr. Unter diesem gesamten Post findet ihr 63 Kommentare von Adoptees, die ausschließlich immaterielle Dinge teilen, die ihnen gefehlt haben – und diese Aspekte wiederholen sich. Es ist wirklich schwer das zu lesen, weil es ein anderes Narrativ in den Vordergrund stellt als „Adoption rettet Leben“. DENN wir sind Menschen. Wir brauchen mehr als nur ein Haus mit Garten oder einen Hund. Wir haben Verluste erlitten. Unter anderem aufgrund unserer Adoption. Zu sagen, dass Adoption leben rettet, ist einfach schrecklich vereinfacht und radiert unsere Schmerzen und all die Komplexität von Adoption aus und legt den Fokus auf die falschen Dinge.

Außerdem: Adoption ist NICHT das Ultima Ratio, um Leben zu „retten“. Wer ein krankes Kind in einer liebenden Familie des Globalen Südens retten will, kann mit dem Geld, das die Adoption kostet, auch einfach die medizinische Versorgung des Kindes bezahlen und/oder eine Patenschaft übernehmen. Dafür muss ein Kind nicht adoptiert werden. White people, get over yourselves! Eure Existenz im Leben von Bi_PoC ist nicht der Maßstab unserer Lebensqualität UND ihr habt kein Anrecht auf unsere Leben.

Weiterhin: Adoption ist oft ein „Lebensretter“ für Adoptiveltern, die Schwierigkeiten haben zu reproduzieren oder leider gar nicht reproduzieren können, für diejenigen, die unglücklich sind und für diejenigen, die einen Sinn im Leben suchen. Das in den Vordergrund zu rücken, verfehlt mal wieder den Sinn von Adoption. Genau diese Fehlpriorisierung ist einer der Faktoren, weshalb Adoptees bei der Frage zu Dingen, die ihnen gefehlt haben, nur immaterielle und emotionale Aspekte angeben.

Familien: Do the work.

Transracial Adoptierte: I love us.

Unter diesem Post bitte keine Kommentare von Non-Adoptees.


32nd Blog Entry – How to save lives

One thesis on adoption I really deeply dismiss is „Adoption saves lives“. Whose lives and what’s the given indicator for a saved life? This horrible thesis is yet another statement that serves the narrative and image of white saviors. This hashtag is mostly found under posts of dogs and TRAs of the Global South. It really only serves the adoption agencies, missions, intiatives and adoptive parents who tell themselves every day that they rescued a child.

The way I see (my) transracial adoption the „rescue“ of our lives is too often mostly determined by two things: 1) The existence of a white person in it and 2) materials. Under the post „Adoptees, what was missing for you growing up?“ of @thisadopteelife on Instagram a lot of Adoptees posted answers like „my mom“, „safety“, „my entire biological family, present and past“, „identity“, „knowing where I belong“, „family remembrence and medical history“, „emotional warmth“, „loving parents who prioritize me and not their own wishes when it comes to my adoption“ and more. These are solely immaterial aspects. It’s hard to read this because it serves another narrative than „Adoption saves lives“. BECAUSE we’re people. We need mor than a house with garden or a dog. We suffered loss, because of our adoption. To say that adoption saves lives is horribly simplifies the complexity of adoption and emphasizes the wrong things.

Furthermore: Adoption is NOT the ultima ratio to „save“ a life. Anybody who wants to save the life of a child in a loving family, could use the money that would’ve been spent on the adoption for the child’s medical care and/or choose sponsorship. A kid does not have to be adopted for that purpose. White people get over yourselves! Your existence in our lives is not the scale of our quality of living and you are not entitled to our lives!

Also: Adoption often seems to be a „life savior“ for adoptive parents who cannot have children themselves or have difficulties with it, for those who are unhappy and those who seek a purpose in life. To prioritize that once again misses the purpose of aoption and exactly that misprioritization is one reason for why so many adoptees answer the question above with immaterial and emotional aspects.

Families: Do the work.

Transracial Adoptees: I love us.

Non Adoptees, please don’t comment under this post.

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