30. Eintrag – „Es tut mir leid, wenn deine Adoption/dein Aufwachsen in einer Weißen Familie so schlimm war, aber…“

*English version below*

„… mein Kind ist glücklich mit seiner Adoption“

„… mein Kind hat keine Probleme mit Rassismus“

„… für viele Kinder ist Adoption tatsächlich eine Besserung des Lebens“

„… viele Eltern helfen ihren Kindern gegen Rassismus“ usw.usf.

Ein paar Zitate von irgendwelchen Leuten auf Instagram und in meinem Umfeld zum Thema Adoption und Bi_KoC/Bi_PoC-Sein in einer Weißen Familie (oftmals bedingt durch besagte Adoption). Es versteht sich, dass diese Zitate alle von Weißen Menschen und/oder Non-Adoptees kommen. Andere transracial Adoptees (TRAs) und andere Bi_PoC in Weißen Familien fangen den zweiten Teil wenigstens mit „… in meinem Fall…“ an, weil sie wissen, dass es mehr als nur ein Narrativ von Adoption und transracial Familienzusammensetzungen gibt. Sie wissen auch, dass jedes Narrativ verschiedenen Umständen entspringt und valide ist.

Es ist mal wieder Feel yourself-Friday, also habe ich mich entschlossen ein paar Statements zu den wunderbaren Behauptungen von oben zu verfassen.

Liebe „Aber nicht mein Kind“-Empörende und „Nicht alle Adoptionen“- und „Nicht alle Weißen Familienmitglieder“-Rechtfertigende, hier ein paar Statements meinerseits.

  1. Wenn ihr mit den Narrativen bestimmter Adoptee-Plattformen oder Plattformen für Bi_PoC in Weißen Familien nicht übereinstimmt, scrollt doch woanders auf Instagram rum und überlasst uns unseren Raum.
  2. Hört auf so zu tun, als sei eine legal verzwickte, illegale oder traumatisierende Adoption nur bei drei Adoptees weltweit der Fall. Adoptionen sind immer mit Trauma und Verlust verbunden, denn Adoption ist einfach nicht das, worauf Kinder sich vorbereiten, nachdem sie 9 Monate und mehr mit einer Person verbracht haben. Illegale oder legal verzwickte Adoptionen sind keine Ausnahme. Das wisst ihr nur nicht, weil ihr nicht die richtigen oder auch einfach gar keine Fragen stellt.
  3. Hört auf so zu tun, als sei das Aufwachsen in Weißen Familien nur für eine*n in 1000 Bi_PoC schwierig oder mit Problemen verbunden. Auch das ist keine Ausnahme. Das wisst ihr nur nicht, weil „ich sehe keine Farben und für mich sind alle Menschen gleich“.
  4. Die Sätze Bi_PoC und TRAs entgegenzuschmeißen, die strugglen, die heilen wollen und müssen und psychische Belastungen wegen ihrer Adoption und/oder ihres Aufwachsens in Weißen Familien haben, ist gewaltvoll. Uns stummzuschalten, macht die Problematik nicht weg. Ihr nehmt außerdem Raum ein, der euch nicht gehört.
  5. Familien sind ein Kollektiv und wenn sich nur zwei Familienmitglieder für Rassismus und/oder (transracial) Adoption sensibilisieren, hat es uns auch nicht viel gebracht. Dann können wir auch einfach mit unserem racial stress in der Mehrheitsgesellschaft umherirren und gucken was passiert, wenn uns jemand triggert, etwas Unsensibles sagt oder offen rassistisch ist. Werden Leute einspringen oder gehen sie weiter und sagen sich „aber ich bin ja nicht rassistisch“?
  6. Ihr seid nicht Bi_PoC und ihr seid nicht transracial Adoptees, das heißt mit der Weite eures Horizonts könnt ihr – egal, wie sehr ihr euch belest – niemals greifen, wie es ist Bi_PoC und/oder Bi_PoC-TRA in einem Weißen (Familien-)Umfeld zu sein. Behaltet eure Behauptungen darüber, wer glücklich ist und wer nicht, wer die Ausnahme bildet und wer nicht, wer Probleme hat und wer nicht usw. also bitte für euch.

Vielen Dank.

Familien: Do the work.

Bi_PoC und Bi_PoC-TRAs: Habt ihr noch Anmerkungen und Dinge, die ihr hinzufügen möchtet? Dann gerne in die Comments. Wer anonym bleiben möchte, kann mir eine DM schreiben, sodass ich es für euch posten kann.


30th Blog entry – „I’m sorry if your adoption/your growing up in a white family was that bad, but…“

„… my kid is happy with their adoption“.

„… my kid has no problem with racism“

„… for many children adoption really is an improvement of life“

„… many parents support their children against racism“ and so on and so forth.

These are some of the statements I’ve read on Instagram or have heard from people in my (close) environment about (transracial) adoption and the growing up in a white family as a Bi_PoC/TRA. All of them have been dropped by white people and/or non-adoptees. At least other TRAs and/or Bi_PoC in white families start the second part of the sentence with „…in my case…“ because they know that there is more than one narrative and that each narrative has its roots in different circumstances and its validation.

It’s Feel yourself-Friday so I decided to drop some statements myself on those above.

Dear „Not my kid“-outragers and „Not all adoptions“- and „Not all white family members“-justifiers,

  1. If you don’t like the narratives told on certain TRA platforms or platforms of Bi_PoC in white families just move along and scroll on other pages on Instagram. Leave those platforms to us.
  2. Stop pretending like an illegal, legally problematic or traumatizing adoption is something that happens to three TRAs worldwide. Adoptions are always bound to trauma and loss because no baby or child is prepared to be adopted once it’s spent 9 months and more with a certain person (the birth mom and/or birth family). Illegal or legally problematic adoptions are not an exception. You just don’t know that because you don’t ask no questions at all or if you do you don’t ask the right ones.
  3. Stop pretending like being raised by and in a white family only is problematic or bound to problems/difficulties for three in 1000 Bi_PoC. That, too, is not an exception. You just don’t know that because „I don’t see colour and all human beings are the same and equal“.
  4. Dropping your statements on Bi_PoC and TRAs in white families who are struggling and trying to heal is just violent. Silencing us won’t fix the problem. Also you are once again taking space that is not yours to take.
  5. Families are a collective so if only two family members educate themselves on racism and transracial adoption it’s not enough. It’s the same as we were walking on the streets in public wondering whether someone was gonna trigger us or say something offensive or be openly racist and what people would do about it. Will they jump in for us or will they turn their heads and tell themselves „but I am no racist“?
  6. You are neither Bi_PoC nor TRA so you’ll never – even if you’d read all the books – fully understand by the capacities of your horizon what it’s like to be Bi_PoC and/or TRA in a white (family) environment. So please just keep your statements and hypothesis about who is struggling and not and who is happy or not and who is the exception and not for yourself.

Thank you.

Families: Do the work.

Bi_PoC and TRAs: Any remarks or statements yourself? Tell them in the comments and if you’d like to stay anonymous you can send me a DM on IG so that I’ll post them for you.

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