29. Eintrag- I had questions, why didn’t you?

TW: Adoption x Tod/Adoption x Death

*English version below*

Je mehr ich mich mit meiner Adoptionsgeschichte beschäftigt habe, desto enttäuschter wurde ich vom Weißen Narrativ – und desto toxischer finde ich es auch. Um es herunterzubrechen: Am Ende des Tages ist meine Adoption nichts Notwendiges gewesen, sondern einfach White Supremacy gemischt mit Entitlement und einer günstigen Familienlage. Meine Familienlage ist, dass meine Herkunftsfamilie sehr groß ist und auch damals nicht viel Geld hatte, meine Mutter war gestorben und der Aussage, man habe den Vater nicht gekannt, wurde natürlich geglaubt, weil das so gut ins Bild passt. Mensch muss gar nicht weitere Fragen stellen, wenn alles so gut ins Weiße Narrativ passt.

Ich weiß, dass bestimmte Familienmitglieder jetzt einen Schwall an Gaslighting auf mich loslassen würden, würden sie diesen Eintrag hier lesen, aber ganz ehrlich Leute: Meine Adoptionsgeschichte, mein Narrativ!!!! Denn natürlich erzählen sich alle Beteiligten an meiner Adoption heute immer noch, dass meine Adoption der einzige und vor allem beste Weg für mich war – von der Weißen katholischen Ordensschwester über meine Herkunftsfamilie bis zu meiner Adoptivfamilie und sogar alle, die nicht beteiligt sind. Die einen, weil sie seit Jahrhunderten lernen, dass sie nicht gut genug sind und die anderen, weil sie seit Jahrhunderten lernen, dass die anderen nicht gut genug sind (Stichwort: White Supremacy).

Jedes Mal, wenn ich etwas Neues zu meiner Adoption herausgefunden habe, das nicht mit dem Narrativ besagter Leute zusammengepasst hat, wurde ich gegaslighted. „Nein, deine Mutter hatte aber…“ und „Nein, du solltest nicht zu schnell glauben, dass…“ und „Das kann nicht sein, denn wenn ich das gewusst hätte, dann…“. Ich möchte hierbei anmerken, dass die Adoptionsgeschichte, die wir Adoptees hören, nie das einzige und auch nicht das ganze Narrativ ist. Ich weiß die Dinge, die ich weiß, weil ich Fragen gestellt habe – an meine Herkunftsfamilie – und die schwerwiegendste Frage, die ich mir jetzt stelle ist: Warum hatte niemand Fragen außer ich? Weil Fragen zu stellen, hätte dazu geführt, mich nicht zur Adoption freigeben zu können, weil dann Dinge aufgetaucht wären, die eine Adoption unmöglich gemacht hätten. Fragen zu stellen, hätte zu Antworten geführt, die niemand hätte hören wollen. Ich übertreibe nicht, denn als ich manche Antworten gegeben habe, war die Antwort „Das hätte ich jetzt lieber nicht gewusst“. Ja, das weiß ich, dass die Leute das lieber nicht gewusst hätten – deshalb haben sie ja auch nicht gefragt.

Menschen, die Adoptionen abwickeln – Agenturen, Missionar*innen, Adoptionsfamilien – haben vielleicht keine Fragen zu unseren Leben, weil sie nur interessiert, ein neues Leben mit uns aufzubauen, aber der Teil zwischen 0 und 1 gehört immer noch zu unseren Leben – nicht unbedingt aktiv, aber naja. Ich finde, das Mindeste, das sie für uns tun können, wenn sie uns aus unseren Leben reißen, ist Fragen zu stellen.

Familien: Do.the.work.

TRAs (transracial Adoptees): Ich sehe euch und egal, welche Fragen ihr habt, ich höre euch und egal, welche Antworten ihr habt, ich glaube euch.


29th Blog Entry – I had questions, why didn’t you?

TW: Adoption x Death

The more I information I get on my adoption story and reflect on it, the more disappointed I got about the white narrative of my transracial adoption – and the more toxic I find it. Let me break it down: At the end of the day my adoption wasn’t eve necessary as people told me but a mix of White Supremacy, Entitlement and a practical family situation. My birth mother died a few weeks after I was born, my family is very big and did not have a lot of money around that time and people just believed my relatives when they stated that my birth father was unknown, because it serves the narrative. One doesn’t even have to ask questions, when everything serves the white narrative so perfectly.

I know that there are certain family members of mine who now would gaslight me on this one but honestly: It’s my adoption story, so it’s my narrative that counts! Of course all the people involved in my adoption still tell themselves to this day that my adoption was my only and best opportunity – the white catholic nunn, my birth family, my adoptive family and even those who don’t even took/take part in my adoption. Some think so because they’ve been told that they’re not good enough for hundreds of years and the others think so because they, too, have learned that the others are not good enough (keyword: White Supremacy).

Each time I found out something new about my adoption that didn’t fit the narrative of said people, they would gaslight me. „No, your mother had…“ and „No, you shouldn’t believe that… so quickly“ and „This cannot be true. If I had known this, I never would have…“. Let me tell you that the adoption story adoptees learn as children is never the only and also not the whole narrative. I know the things I know because I asked questions – to my birth family – and the heaviest question I currently have is: Why didn’t anyone ask questions but me? Because asking questions would’ve dig up answers that would’ve altered the possibility of adoption. Asking questions would’ve provided answers nobody wanted to hear. I am not exaggerating. When I shared the answers to those questions people literally told me „I rather wouldn’t have known this“. Yes, I know that they rather wouldn’t have known – that’s why they didn’t ask in the first place.

People who engage in adoption – agencies, missionaries, adoptive families etc. – may not have questions about our pre-adoption lives because they are only interested in creating a new one with us here, but the part between 0 (our birth) and 1 (our adoption) is still a part of our lives, even when it’s not an active part. I think that the least they could do for us when they alter our lives is ask questions.

Familien: Do.the.work.

TRAs (transracial Adoptees): I see you and whatever questions you may have I hear you and whatever answers you may have, I believe you.

2 Kommentare zu „29. Eintrag- I had questions, why didn’t you?

  1. Liebe Elli,

    Ich kann dir dazu nur sagen, dass mein Mann als Kind auch von einem weißen Paar adoptiert werden sollte. Mit einer white supremacy Einstellung, dass ein krankes afrikanisches Kind sicher von wWeißen gerettet werden muss. Und nicht, indem man die Behandlung zahlt, sondern es einfach gleich adoptiert. Die Eltern haben es abgelehnt. Die weiße Arroganz beschämt mich und macht mich richtig wütend. Danke, dass du deine Geschichte hier teilst. Ich habe mir lange überhaupt keine Gedanken zum Thema Adoption gemacht.

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