27. Eintrag – White Entitlement und Supremacy bei transracial Adoptionen

TW: Adoptionstrauma x Suizid x Tod

Ich habe wirklich viel darüber nachgedacht, warum Adoptionen für zu viele – nicht alle, aber zu viele – transracial Adoptees so schmerzhaft und zerreißend sind. Nicht nur das Verlassen von Herkunftsfamilie und Herkunftsland, sondern der ganze Prozess der Adoption inkl. der Integration in die neue Familie und Umgebung. In den USA ist gerade National Adoptee Awareness Month und ich habe von viel zu vielen transracial Adoptees gelesen und gehört, deren Adoption so zerreißend und so schmerzhaft für sie war, dass sie sich das Leben genommen haben. Jedes Mal, wenn ich von einer schmerzhaften, unglücklichen oder sogar tödlichen Adoptionsgeschichte höre, tut mir das richtig weh. Ich kenne die Leute nicht unbedingt, aber ich kann mich identifizieren, mit dem Schmerz, den sie haben, wenn ihre Adoptionen nicht aus den richtigen Gründen passieren. Wenn andere Menschen denken, sie hätten ein Anrecht auf ihr Leben. Wenn andere Menschen in den Vordergrund stellen, wie die Adoption für sie ist und nicht, was und wie es für uns ist. Da ich von transracial Adoptionen in Weiße Familien spreche, spreche ich bei „andere Menschen“ über Weiße Menschen, die adoptieren – Geschwister und sonstige Familienmitglieder inklusive.

Listen, y’all: Adoptionen sind für das Kind! Nicht für das Weiße Ego Weißer Savior. Nicht für den Ausgleich biologisch gegebener Reproduktionsungerechtigkeiten. Nicht für das eigene Prestige. Nicht für den eigenen Sinn des Lebens. Nicht für ein besseres und glücklicheres Leben für sich selbst. Nicht für die Niedlichkeit der „Sch*kobabies“. Adoptionen sind für das Kind! Kinder sind Menschen. Menschen haben Leben. Menschen leben. Wer eine emotionale Lücke füllen will oder „Sch*kobabies“ süß findet oder sich in der Nachbarschaft als White Savior etablieren will oder einen Sinn im Leben will, soll einen Hund kaufen, Patenschaften übernehmen oder seinen Job kündigen und was Neues starten. Aber Kinder aus ihrem Leben zu reißen, damit mensch selbst ein schöneres Leben hat, ist egoistisch. Und es verfehlt den Sinn von Adoption.

Kinder sind Menschen. Kinder ohne Eltern sind Menschen. Kinder ohne Supportsystem sind Menschen. Kinder ohne Liebe für sich in ihrem Umfeld sind Menschen. Es wird hier mit Leben gespielt, weil mensch denkt, er*sie hätte ein Recht darauf, ein (Schwarzes, Indigenes) Kind (of Color) zu haben. Listen people, in erster Linie ist Adoption dazu da, einem Kind, das kein Supportsystem, keine Liebe, keine Eltern und kein liebendes und sicheres Umfeld hat, genau das für immer zu geben. Das heißt, ein Kind sucht jemanden, der*die das geben kann. Darum geht es. Es geht nicht darum, dass das Kind die eigenen Zwecke, emotionalen Lücken, den Sinn des Lebens und sonstige individuelle, ichbezogene Dinge erfüllt.

An einem Punkt in ihrem Leben fragen viele Adoptees ihre Eltern, warum diese sie adoptiert haben und transracial Adoptees fragen möglicherweise auch noch, wieso ihre Eltern gerade ein Bi_KoC adoptiert haben. Adoptee-Eltern, ich spreche euch jetzt ganz gezielt an: Überlegt euch gut, was die Antwort auf diese Frage(n) ist. Ich kann euch sagen, dass „Ich wollte schon immer ein Schwarzes Baby“ und „Es macht sich gut in der Kirche“ nicht die Antworten sind, die eure*euer transracial Adoptee hören will und es sollte auch nicht die Motivation dahinter sein.

Wieso jetzt White Entitlement und Supremacy? Ich habe schon angesprochen, dass Kinder des Globalen Südens selten innerhalb des Globalen Südens adoptiert werden, sondern es Institutionen gibt, die Geld damit machen, diese Kinder in den Globalen Norden zu bringen. Eine – nicht die einzige – Begründung ist, dass sowohl Menschen im Globalen Norden als auch im Süden durch die Linse des Weißen Narrativs eingetrichtert wird, dass Kinder es im Globalen Norden besser haben. Das ist White Supremacy. Weiße Menschen als Kollektiv denken, sie hätten ein Anrecht darauf, diese Kinder aus den schrecklichen Bedingungen dort zu befreien und selbst großzuziehen – ohne Rücksicht auf Verluste. Und wie gesagt: Adoptionen sind IMMER mit Verlust verbunden. Das ist White Entitlement.

Aber nicht nur das. White Supremacy kommt gerade dann ins Spiel, wenn Familienmitglieder im Globalen Süden davon überzeugt werden, ihre Kinder an fremde, Weiße Menschen abzutreten, weil ihnen gesagt wird, sie seien nicht gut genug, für diese zu sorgen. Das verfehlt total den Sinn von Adoption. Kinder, die Familie haben, die sich um sie kümmert, sie liebt, sie schützt – auch wenn es nicht die Birth Parents sind – brauchen keine Adoption.

White Entitlement ist auch, wenn Weiße Menschen denken, sie wüssten am besten, was das beste für das Kind ist – besser als die Herkunftsfamilie, besser als alle Bi_PoC. Sie denken, sie hätten ein Anrecht darauf, ihnen zu sagen, ob sie gut genug sind und später denken Weiße Familienmitglieder, sie hätten ein Anrecht darauf, dass wir mit ihnen bei 0 anfangen, wo 1 ist (s. letzter Beitrag) und uns zu sagen, wie wir mit unserer Adoption umzugehen zu haben. White Entitlement ist auch „Ich wollte ein Schwarzes Baby!“. Listen y’all: Weiße Menschen sind nicht entitled, Schwarze Kinder zu haben. Sie sind nicht entitled, aus anderen Familien ihre eigene zu bilden, weil das Familienfoto so viel bunter aussieht. Sie sind nicht entitled, Schwarze Menschen als Paradebeispiel für ihren Saviorism zu benutzen. Sie können es aber tun und das ist die Essenz von White Supremacy: Die Dinge, die Weiße Menschen nicht tun sollten oder eigentlich nicht tun dürfen, aber trotzdem tun können, weil sie diejenigen sind, die sagen, was sie tun sollten und dürften.

Meine bisherige Antwort auf die Frage, wieso Adoptionen für zu viele transracial Adoptees schmerzhaft und zerreißend sind: Whiteness. Whiteness zentriert die eigenen Bedürfnisse und nicht die Bedürfnisse des Kindes und das verfehlt den Sinn von Adoption. Damit wird Adoptees die Last auferlegt, der Sinn des Lebens, Paradebeispiel, Ego-Booster, Ausgleich für Reproduktionsungerechtigkeiten, Stereotypisierung zu sein. Whiteness in Adoptionen macht Kinder im Globalen Süden zu Projekten, Zahlen und Waren und das ist dehumanisierend.

Wenn ich sage, dass Weiße Familien lernen müssen, ihre Whiteness abzulegen, dann sage ich das nicht so dahin. Whiteness dehumanisiert und ist toxisch.

Familien: Do.the.work!!!!!

Bi_PoC-Adoptees: Ganz viel Liebe, Stärke und inner peace für euch! Connected euch, weil niemand von uns mit Adoptionstrauma und Zerrissenheit alleine sein sollte oder ist. Falls ihr kommentieren möchtet, tut das gerne. Schreibt mir eine DM, wer es braucht.

Adoptee-Eltern und Weiße Familienmitglieder von Adoptees und alle Non-Adoptees: Ich möchte heute bitte keine Kommentare von euch unter diesem Post lesen. Dieser Post dreht sich um Adoptees, bitte respektiert das. Nehmt den Beitrag an, nehmt ihn mit, reflektiert und do the work.

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