12. Eintrag – White Fragility in Weißen Familien

Viele von uns werden im oder nach dem Gespräch oder der Kommunikation mit ihren Familien über Rassismus mit Weißer Zerbrechlichkeit konfrontiert. Weiße Menschen fühlen sich grundsätzlich unwohl in Gesprächen über Rassismus und vor allem über die eigenen Rassismen. Das liegt vor allem daran, dass Weiße Menschen dazu tendieren, Rassismus nur dann zu sehen, wenn er ihnen ganz offensichtlich begegnet. Rassismus hat darüber hinaus ein so verschobenes Verständnis angenommen, dass man meint, es sei immer mit einer böswilligen Intention gegenüber eines Nicht – Weißen Menschen verknüpft, wodurch vermittelt wird: Wer rassistisch ist, ist böse und schlecht. Diesen Schuh möchte sich natürlich keiner anziehen. Auf die Worte „Das ist rassistisch“ oder gar „Du bist rassistisch“ reagieren Weiße Menschen daher oft wütend, empört, verletzt oder auch ausfallend, weil die Nachricht zu sein scheint: „Du bist eine schlechte Person“. Auch durch die Worte „Du bist Weiß“ sind Weiße Menschen oft verletzt und fühlen sich auf ihr Weißsein reduziert.  Familienmitglieder sind dabei keine Ausnahme. Durch „Ich sehe keine Farben“ – Sätze, „Ich bin nicht rassistisch“ – Empörungen, „Da übertreibst du aber“ – Gaslighting, „Aber diesen und jenen Menschen passieren schlimme Dinge“ – Whataboutism, „Sonst hätte ich dich ja nicht adoptiert“ – Tokenism und auch „Du hättest auch mal was sagen können“ – Vorwürfe weisen sie Rassismus von sich. Auch wird aufgrund der schockierenden Konfrontation mit den eigenen Privilegien und deren Kosten für andere Menschen die Ansprache von Rassismus oft als Angriff gewertet. Gerade bei Eltern kommt noch hinzu, dass ihre gutgemeinte Erziehung infrage gestellt und auch kritisiert wird.

Erst als ich mich mit meinem persönlichen Safe Space auseinandergesetzt habe, habe ich gesehen, warum ich vor Familienfeiern, Urlauben mit meiner Familie oder auch einfachen Ausflügen ins Unbekannte so schlechte Laune bekomme: Ich kann mich in einer unsensibilisierten Umgebung nicht sicher fühlen und so die Gemeinsamkeit nicht genießen (s. Racial Stress). Schwarze Menschen überall konnten und können es sich nicht leisten, an dieser Unsicherheit, White Supremacy oder dem rassistischen System zu zerbrechen. Es ist jetzt an den Weißen Familien Schwarzer Kinder, nicht zu zerbrechen und sich aufzurappeln, wie ihre Kinder es schon getan haben seit sie klein sind. Es geht darum, was sie machen müssen, damit sich ihre Schwarzen Familienmitglieder im Familienkreis vor Rassismus und rassistischen Bemerkungen geschützt fühlen können. Dafür bekommen sie Erklärungen, Begriffe, Worte, Bücher, Seminare und Workshops, um einordnen zu können, weshalb die Welt so funktioniert, wie sie funktioniert. White Fragility ist ein Problem in Weißen Familien Schwarzer Kinder, das es durch die Familien zu lösen gilt.

Es ist wichtig für Schwarze Familienmitglieder zu wissen, wieso ihre Familien bei der Ansprache von Rassismus in der Mehrheit der Fälle so reagieren, wie sie reagieren. Es ist wichtig für uns, damit wir einen Umgang für uns damit finden können. Das heißt nicht, dass wir Gaslighting oder ähnliches entschuldigen müssen. Es heißt auch nicht, dass Wut, Trauer, Enttäuschung, Ärger und Frustration keine Daseinsberechtigung haben und nicht zum Ausdruck gebracht werden dürfen. Es heißt nur, dass viele besser mit der Reaktion ihrer Familien umgehen können, wenn sie wissen, woher sie kommt. Und es ist wichtig, damit einen Umgang zu finden, der einem nicht schadet. Auf der zu diesem Blog gehörigen Instagramseite blackinwhitefamily findet ihr Umgangsmöglichkeiten mit euren Emotionen vor/nach dem Gespräch oder der Kommunikation mit eurer Familie über Rassismus.

Bis zum nächsten Mal!

Elli

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