2. Eintrag – Negative Reaktionen: Othering, Whataboutism und Gaslighting

Achtung Triggerwarnung! Es kann sein, dass durch die behandelten Themen traumatische Erfahrungen mit Rassismus aufgewühlt werden. Lesen mit einer vertrauensvollen Person empfohlen!

Willkommen zurück! 

Dieser etwas längere Eintrag dreht sich um negative Reaktionen auf unsere Hautfarben und Erfahrungen in Form von Othering, Whataboutism und Gaslighting. Die detaillierten Erklärungen sind im Vorabeintrag zu finden. In kurz: Othering meint die Betonung der Unterschiede zwischen Gruppen, um sich klar voneinander abgrenzen zu können. Whataboutism meint das Ablenken von einem angesprochenen Problem durch andere Probleme. Gaslighting meint die Relativierung oder Leugnung unserer Lebenswirklichkeit (also Erfahrungen und Situation). Alle drei Formen können uns überall und von jedem – auch BIPoCs und anderen Schwarzen – entgegengebracht werden. Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen können.

Zu Beginn muss ich sagen: Eure psychische und physische Gesundheit stehen an allererster Stelle! Ich appelliere an euch, da keine Abstriche zu machen. Othering, Whataboutism und Gaslighting sind psychischer Terror und können auf euren Körper gehen (Müdigkeit, Krankheitssymptome, Kreislaufprobleme). Achtet da bitte auf euch!

1) Mein erster Schutzmechanismus vor den oben genannten Reaktionsformen ist, nicht mit Fremden oder Leuten, die ich nicht so gut kenne, über Rassismus und meine Hautfarbe zu sprechen, da ich nicht wissen kann, wie diese Personen reagieren. Gerade, wenn ich eine solche Reaktion nicht vorhergesehen habe, kann ich aus Schock, emotionaler Aufgewühltheit oder auch Angst nicht reagieren oder habe früher auch bei Witzen einfach unwohl mitgelacht.

2) Falls ihr schon im Gespräch mit der Person seid und sie anfängt, Whataboutism, Othering und/oder Gaslighting zu betreiben und ihr in der Lage seid, etwas zu sagen, macht die Person darauf aufmerksam, dass ihr nicht weiter darüber reden möchtet und ggf. auch, dass sie mit ihren Behauptungen falsch liegt.

3) Falls das nicht hilft, ist es wichtig und richtig, wenn ihr euch aus der Situation entfernt. Menschen, die bewusst Whataboutism, Gaslighting und Othering betreiben, wollen euch oft aus dem Konzept bringen, wodurch es nichts bringt, sich mit ihnen auf eine Diskussion einzulassen. Es gibt auch viele Menschen, die das unbewusst machen, dennoch gilt hier das Gleiche: Entfernt euch aus der Situation! Oftmals handelt es sich auch um Menschen, die denken, sie seien im Recht, müssten euch über eure eigenen Erfahrungen belehren und beharren auf ihre Behauptungen.

4) Ganz gezielt an diejenigen mit Weißen Familien(-teilen) gerichtet: Es kann passieren, dass manche eurer Familienmitglieder auf die Ansprache von Rassismus und euren Erfahrungen damit ebenfalls mit dieser Art psychischen Terrors reagieren. Das ist ihnen manchmal nicht bewusst und auch nicht immer die Intention, da Gaslighting, Othering und Whataboutism auch Symptome eines Schutzmechanismus sein können. Gerade dann empfehle ich euch, ihnen eine Chance auf Bildung, Information und Sensibilisierung im Umgang mit euch zu geben, indem ihr sie auf ihr Fehlverhalten hinweist und sie an aufklärende Bücher, wie „Exit Racism“ von Tupoka Ogette oder „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“ von Alice Hasters weiterleitet. Ein Tipp von mir an euch ist, euch nicht selbst in die aufklärende Position zu begeben, da ihr euch damit ggf. einem gefährlichen Psychoterror aussetzt. Unsere Familien stehen uns nah, weshalb diese ablehnende Reaktion bei ihnen ganz besonders wehtut. Gebt euren Familienmitgliedern Zeit und Raum, sich zu bilden und zu sensibilisieren. Gebt euch Zeit und Raum, zu verarbeiten.

5) Das wichtigste im Umgang mit Gaslighting, Othering und Whataboutism ist meiner Meinung nach, dass ihr nicht allein damit umgeht. Wendet euch an Freunde oder andere Personen, die für euch da sind und euch unterstützen. Ich kann auch den Tupodcast von Tupoka Ogette oder Workshops, Seminare und Freizeitangebote der Initiative Schwarzer Deutschland (offen für alle BIPoCs) empfehlen, wenn ihr euch gerade mit Menschen umgeben müsst, die euch mit ihren Erfahrungen und Lösungen empowern können. A und O ist also: Begebt euch in schützende Räume!!!

Ich habe mich auch schon (vorübergehend) von Personen bzw. aus Situationen entfernt, in denen diese Reaktionen zu meiner Hautfarbe und meinen Rassismuserfahrungen kam. Es ist schwer, aber es ist wichtig! Und wenn ihr diese Entscheidung treffen könnt, ist das eine unglaubliche Form des Empowerments, auf die ihr stolz sein könnt, weil ihr euch eurer Hautfarbe und eurer Lebensrealität bewusstwerdet und gleichzeitig lernt, eure Fortschritte in der eigenen Selbstakzeptanz wertzuschätzen.

Bis zum nächsten Mal!

Elli

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